– Flucht aus der Ukraine

Ilonas Start in ein neues Leben

Ilona hat als Ärztin in Kiew gearbeitet, bis der Krieg ihre Familie auseinanderriss. Nach Monaten voller Angst und Verzweiflung ermöglichen ihr Programme des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) einen neuen Anfang in Polen.

Am 24. Februar 2022 wachte Ilona um vier Uhr morgens auf; die Nachbarn klingelten an ihrer Tür. Sie blickte aus dem Fenster der Wohnung, die sie mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern teilte: Kiew war von Rauch bedeckt; immer wieder schlugen Raketen ein. „Wir lebten im 14. Stock“, erinnert sich Ilona, „man konnte alles sehen und hören.“

Vor ihrem Fenster brach Panik aus, in den Straßen herrschte Chaos. Ilonas Mann, ein Anästhesist, war an diesem Morgen im nahegelegenen Krankenhaus im Einsatz. Bald eilte er nach Hause und das Paar bereitete sich darauf vor, zu flüchten: „Wir packten zwei Koffer. In den einen verstauten wir Medikamente, ein Stethoskop und Dokumente. In den anderen stopften wir alles, was die Kinder benötigen – Kleidung, Spielzeug, Windeln.“

„Wir hatten alles, was man sich wünschen konnte“

„Es war für uns unvorstellbar, dass so etwas Verrücktes passieren könnte“, sagt Ilona, „aber die Geschichte der Ukraine zeigt, warum jetzt Krieg in unserem Land herrscht. Die Gewalt dieses Konflikts ist nichts Neues, hat ihre Wurzeln in der Besetzung der Krim im Jahr 2014 und reicht noch weiter zurück bis in die Zeit der UdSSR.“ Vor dem Krieg waren die Vier eine junge, glückliche Familie. „Ich arbeitete als Hausärztin und Physiotherapeutin“, erzählt Ilona: „Wir hatten alles, was man sich wünschen konnte – Kinder, Stabilität, einen Job, eine Wohnung und ein Auto.“

Nach der Invasion flohen sie zunächst in die Westukraine: „Es gab nur eine offene Straße nach Chmelnyzkyj. Die Fahrt war so lang und beängstigend.“ Wenige Kilometer vor der polnischen Grenze beschlossen sie und ihr Mann, dass er nach Kiew zurück­kehren würde, um dort zu helfen. „Meine Mutter brachte uns über die Grenze. Von dort wurden wir von einem freiwilligen Helfer in eine Notunterkunft gefahren“, berichtet Ilona. Sie sucht immer noch nach diesem Mann, um ihm für seine Freundlichkeit zu danken und dafür, dass er sie und ihre Kinder in Sicherheit gebracht hat.

Die folgenden drei Monate waren geprägt von Angst und Verzweiflung. Ilona und die Kinder harrten nahe der Grenze aus und wussten nicht, was der nächste Schritt sein würde. Zunächst glaubten sie, dass sie schnell nach Hause zurück­kehren könnten: „Ich wollte nichts Neues anfangen, weil ich dachte, dass ich gleich wieder zurück sein würde“, sagt Ilona.

Die Unter­stützung durch den JRS: „unbezahlbar“

Im September 2022 überquerten sie die Grenze zurück in die Heimat, aber als Ilona hörte, wie schlimm der Winter werden würde, brachte sie die Kinder zurück nach Polen. Im Mai 2023 kehrten sie erneut in die Ukraine zurück, um endlich zu entscheiden, ob sie wieder zu Hause leben oder sich in Polen neu ansiedeln müssten. „Es gab jede Nacht Alarme, Raketen und Explosionen“, erinnert sich Ilona, „die Kinder weinten und wollten nicht einmal von ihrem Zimmer ins Badezimmer gehen. Ich erlitt mehrere Panikattacken und beschloss, dass wir nicht in der Ukraine bleiben konnten. Wir konnten nicht unter solchem Stress leben.“
Sie und ihre Kinder kehrten also erneut nach Polen zurück, mit der Absicht, dort zu bleiben. Ihr Mann hatte eine militärische Befreiung, arbeitete ein Jahr lang im Krankenhaus in Kiew, bis er wieder mit seiner Familie vereint war.

Nach ihrer Rückkehr nach Polen kamen Ilona und die Kinder vorübergehend bei einer Familie unter, die wiederum Kontakte zum Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) hatte, der sich ihrer annahm, Wohnraum und Polnischkurse organisierte. „Wir konnten selbst keine Wohnung finden, weil hohe Kautionen erforderlich waren. Viele Vermieter wiesen uns ab“, erklärt Ilona.

 „Es war unbezahlbar, dass wir uns keine Gedanken über den Lebensunterhalt machen mussten, den wir zu dieser Zeit nicht selbst hätten bestreiten können. Dank der Unter­stützung durch den JRS konnten wir uns darauf konzentrieren, wieder als Ärzte in Polen zu arbeiten, einen Kindergarten für die Kinder zu finden und ganz von vorne anzufangen.“ Am 2. September 2023 bestand Ilona ihr polnisches Medizinexamen und erhielt eine Lizenz, um dort für fünf Jahre als Ärztin zu praktizieren. Auf die Frage, was sie am meisten inspiriere, weiterzumachen, antwortet sie: „Meine Familie, die Kinder. Das ist alles.“

Welche Botschaft möchte sie anderen Flüchtlingen mitgeben? „Schöpft Kraft und versucht, ganz von vorne anzufangen. Habt keine Angst vor Schwierig­keiten!“

Nach der Flucht: Ankommen, Fuß fassen

Selbst wenn der Krieg in der Ukraine enden sollte, können viele Geflüchtete nicht in ihre zerbombten Heimatorte zurückkehren. Nach den Nothilfe-Maßnahmen der ersten Kriegsmonate unterstützen wir unsere Partnerorganisationen in Osteuropa jetzt bei der Integration der Vetriebenen in den Aufnahmeländern. Es geht um Wohnraum, Jobs und Sprachkurse

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