Fotos: Hantol

 – Rohingya

„Wir alle sind wie Blumen“

Yasmin ist alleinerziehende Mutter – und eine von 970.000 Rohingya, die 2017 vor dem Genozid aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind. Seit einem Jahr kümmert sie sie als Freiwillige für psychosoziale Unter­stützung (PSS) um andere Frauen im Zentrum „Shanti Khana“, und ihr Leben hat eine entscheidende Wendung genommen.

Im Interview mit Mitarbeitern der „Asian Dignity Initiative“ (ADI), unserer Partnerorganisation vor Ort, spricht sie über ihre tiefgreifende persönliche Transformation.

Welche positiven Veränderungen hast du während der Arbeit mit der PSS-Gruppe erfahren?

Meine Motivation, im PSS-Team zu arbeiten, war zunächst, dass ich mehr Geld brauchte. Ohne Geld respektieren einen die Leute nicht. Aber bald habe ich andere Gründe gefunden, diese Aktivität fortzusetzen. Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich meine Übungen für psychosoziale Gesundheit praktiziere. Außerdem kann ich meine Geschichte mit den anderen PSS-Freiwilligen teilen, und jetzt sind wir alle enge Freunde.

Welche Übung für psychosoziale Gesundheit magst du am liebsten?

Es ist die Atemübung. Ich war oft nervös, aber nach dem Absolvieren der Übung verschwinden die Sorgen in meinem Kopf allmählich.

Was ist dein Lieblingsort in „Shanti Khana“, dem „Haus des Friedens“?

Die Seelenzone. Hier praktizieren die Teilnehmerinnen die Atemübung. Dadurch verschwindet ihre Angst langsam wie durch Magie.

Was brauchen wir noch in „Shanti Khana“? Bitte gib uns einige Vorschläge.

Es ist zu heiß im Zentrum. Ich wünschte, es gäbe einen Ventilator. Ich wünschte auch, es gäbe einen Brunnen, den wir benutzen könnten. Alle kommen hierher, um Frieden zu finden, aber es ist zu heiß, um den Gemüsegarten zu pflegen. Ich wünschte, es wäre ein wenig komfortabler.

Magst du es, andere Frauen im Zentrum zu treffen?

Ich liebe es. Ich war zuerst ganz allein im Lager. Ich wusste nicht einmal, in welchen Blöcken meine Verwandten lebten. Ich war so glücklich, als ich einige von ihnen im Zentrum traf.

Möchtest du weiterhin als PSS-Freiwillige arbeiten?

Früher wusste ich nicht einmal, wie man unterschreibt. Ich hatte keine Grundbildung. Doch jetzt strebe ich nach Bildung. Während meiner Tätigkeit im PSS-Team fühle ich, wie ich mich verändere.

Gibt es einen Unterschied in deinem täglichen Leben vor und nach dem Beitritt zur PSS-Gruppe?

Früher war mein Herz pechschwarz, und ich war so einsam. Ich fühlte auch viel Spannung. Ich dachte, es gäbe nichts, was ich tun könnte. Aber nachdem ich PSS-Freiwillige wurde, steigt mein Selbstvertrauen und ich bin immer glücklich. Das liegt daran, dass die Spannung während der Arbeit mit der Gruppe verschwindet.

Was bedeutet Shanti Khana für dich?

Shanti Khana ist eine Blume. Wir alle, die hier versammelt sind, sind wie Blumen.

Hast du einen Traum?

Ich möchte PSS-Ausbilderin werden.

Hast du anderen im Lager von den Angeboten im Zentrum erzählt?

Ich habe viele überredet, zu kommen, um selbst ihre Frieden zu finden, wenn sie andere Menschen treffen und ihre Gefühle teilen können.

Wann fühlst du dich wütend oder deprimiert?

Ich habe meinen Vater in Myanmar verloren. Es ist so schwer, wenn ich an ihn denke. Immer wenn das passiert, wird es ein wenig besser, wenn ich ruhig sitze, meine Atemübung mache und wiederhole, dass ich mich selbst liebe.

Wie hat sich durch die Arbeit deine Einstellung gegenüber deiner Familie oder den Nachbarn verändert?

Früher weinte ich oft. Ich sprach normalerweise nicht einmal mit meiner Familie oder gar mit meinen Nachbarn. Nach der Schulung durch die PSS-Gruppe erinnere muss ich nicht mehr ständig daran danken, was in Myanmar passiert ist, und ich bin im Frieden. Jetzt spreche ich frei mit Menschen draußen.

Denkst du, dass du ein wichtiges Mitglied deiner Familie bist?

Ja, das denke ich.

Denkst du, dass du eine wichtige Person in deiner Gemeinschaft bist?

Ja, das tue ich.

Was möchtest du als Nächstes tun, wenn du eine Ausbildung absolvieren kannst?

Wenn ich eine Ausbildung bekomme, möchte ich arbeiten. Ich möchte Kinder aus meiner Nachbarschaft unterrichten.

Denkst du, dass du auch woanders einen Job finden kannst?

Ja, ich denke, dass ich die Fähigkeit habe, woanders zu arbeiten. Einige Leute nennen mich jetzt „Apu“, „große Schwester“. Die Leute grüßen mich und respektieren mich als NGO-Aktivistin. Selbst wenn Männer auf der Straße stehen, machen sie Platz, wenn ich in meiner Uniform an ihnen vorbeigehe.

Ein Leben in Würde: Rohingya-Frauen im „Haus des Friedens“

970.000 Rohingya sind 2017 vor dem Genozid aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Die meisten leben – isoliert und unter prekären Bedingungen – in den Lagern von Kutupalong. Traumata, Armut und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag; am stärksten leiden die Frauen. Ein sicherer Hafen ist ihnen das Zentrum „Shanti Khana“, das „Haus des Friedens“

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