– KATC Sambia
Felder voller Ideen
Ein Praktikum in Sambia macht deutlich: Nachhaltige Landwirtschaft ist keine Einbahnstraße zwischen Nord und Süd.
Jyrki Hilli studiert Naturwissenschaften an der Savonia University of Applied Sciences in Finnland und hat 2025 ein fünfwöchiges Praktikum am Kasisi Agricultural Training Centre (KATC) in Sambia absolviert. Sein Aufenthalt war Teil eines Erasmus+-Austauschprogramms. Offizieller Gastgeber des Praktikums war die University of Zambia (UNZA), die verschiedene Einsatzorte im ganzen Land koordiniert.
Jyrkis bisherigen Berufserfahrungen lagen im Bauwesen und im Bergbau, doch auch die Themenfelder Lebensmittelproduktion und Agrarökologie faszinieren ihn ungemein. Als sich die Möglichkeit für ein Praktikum am KATC ergab, beschloss er, diese Chance zu ergreifen. „Ich wusste kaum etwas über Sambia, außer dass es in Afrika liegt“, gibt er zu, „aber als ich hörte, dass das Land einen starken Fokus auf ökologische Landwirtschaft legt, war ich sofort interessiert.“
„Zero Waste“ und Widerstandsfähigkeit
Während seines Aufenthalts in Kasisi durchlief Jyrki verschiedene Bereiche, darunter den Schaugarten, regenabhängigen und bewässerten Pflanzenbau, Tierhaltung sowie die Verarbeitung von Milchprodukten und Hafer. Rückblickend betonte er eines der Grundprinzipien des ökologischen Landbaus, das ihn besonders beeindruckt: externe Inputs zu minimieren und interne Ressourcen optimal zu nutzen.
„Ich habe viel über das Zero-Waste-Prinzip gelernt. Also darüber, das zu nutzen, was man bereits im System hat, um Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Schädlinge zu kontrollieren“, erklärt er. „Es geht darum, robuste und einfache Systeme zu gestalten, die oft auf einheimischen Arten basieren. Das macht sie widerstandsfähiger gegenüber Klima- und wirtschaftlichen Schocks.“
Praxis schlägt Theorie
Besonders begeistert war er davon, ökologische Konzepte in der Praxis zu sehen und nicht nur darüber zu lesen. „Manche Dinge kannte ich theoretisch schon, hatte sie aber noch nie umgesetzt gesehen. Es ist erstaunlich, wie sich eine Theorie, die man vor Jahren gelernt hat, plötzlich fügt, wenn man sie live erlebt.“
Auf die Frage, was ihn in Sambia am meisten begeistert habe, nennt Jyrki ohne Zögern die Menschen. „Alle waren unglaublich herzlich, hilfsbereit und offen in der Kommunikation. Selbst wenn meine Fragen nicht besonders fundiert waren, haben mich die Leute geduldig begleitet.“
Für die Zukunft möchte Jyrki viele dieser Erfahrungen mit nach Finnland nehmen. „Es gibt einiges, das ich ausprobieren möchte. Zum Beispiel Bodenverbesserer und organische Dünger aus dem Schaugarten sowie Biostimulanzien- und Mischpflanzungstechniken aus dem ATM-System.“
Eine Praxis fand er besonders spannend: den Einsatz stickstofffixierender Bäume in der Agroforstwirtschaft. „In Finnland haben wir eine Art, die das kann. Ich würde liebend gern damit experimentieren und schauen, wie sich das bei uns umsetzen lässt.“
Trotz der Einschränkungen der Trockenzeit, die zu geringerer Aktivität im Pflanzenbau und in der Milchproduktion führte, empfindet Jyrki sein Praktikum als äußerst lehrreich. „Ich hätte gern noch mehr gemacht. Aber alles, was ich hier gelernt habe, von den Mitarbeitenden, den Landwirtinnen und Landwirten und durch das Beobachten der Systeme, war unglaublich wertvoll.“
Zum Abschluss seines Praktikums in Sambia nimmt Jyrki eine tiefere Wertschätzung für Agrarökologie, eine erweiterte Perspektive auf nachhaltige Landwirtschaftssysteme und den starken Wunsch mit, diese Ideen in seine zukünftige berufliche Laufbahn zu integrieren.
Unterstützung für nachhaltige Landwirtschaft in Afrika
KATC: Sambias Hoffnung ist grün
Das Kasisi Agricultural Training Centre (KATC) in der Nähe von Lusaka ist ein Zentrum der Jesuiten in Sambia zur Förderung der ökologisch-nachhaltigen Landwirtschaft durch Modellprojekte und entsprechendes Training von Bauern. Eine Recycling-Initiative verringert Müll und schafft neue Einkommensquelle

