– JRS Uganda
Neue Wege
Nach acht Jahren übergibt Christina Zetlmeisl die Leitung des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) Uganda an ihren Nachfolger P. Paul Kalenzi SJ. In Zeiten großer Veränderungen und Herausforderungen muss der JRS Kosten einsparen und wird „versuchen, Einnahmen zu generieren, manchmal auch aus ungewohnten Quellen“, kündigt Pater Paul an.
Flüchtlingszahlen werden weiter täglich steigen





Eines der schwierigsten Jahre seit meinem Arbeitsbeginn beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst im April 2017 geht zu Ende. Mit der Stop-Work-Order aus den USA hat sich seit Ende Januar 2025 unsere tägliche Arbeit von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Vor allem unser Städtisches Projekt in Kampala war und ist nach wie vor stark von der plötzlichen Entscheidung getroffen, alle Entwicklungshilfegelder erst einmal einzustellen. Verschiedene Partner und Finanzierungen kamen schnell zu Hilfe, um zumindest die Hauptaufgaben weiterführen und Mitarbeitende weiter beschäftigen zu können. Dennoch mussten wir die schwierige Entscheidung treffen und seit März bis heute insgesamt 16 Kolleginnen und Kollegen in Kampala entlassen.
Dass Regierungen inklusive Deutschland ihre Entwicklungshilfebudgets kürzen oder ganz einstellen, hat verheerende Auswirkungen, nicht nur in Uganda. Der Jesuitenflüchtlingsdienst muss, wie so viele andere Hilfsorganisationen, umdenken und sich neu ausrichten. Somit erwarten wir auch in Uganda für das neue Jahr 2026 weitere Veränderungen, und Umstrukturierungsmaßnahmen werden folgen. Dabei stellt sich außerdem die Frage, wie wir mit weniger Geldern weiterhin qualitative Arbeit leisten können, während gleichzeitig die Flüchtlingszahlen und die entsprechenden Bedürfnisse weiter täglich steigen.
In Uganda waren in diesem Herbst knapp zwei Millionen Geflüchtete offiziell registriert. Trotz der unerwarteten Herausforderungen waren wir in Uganda im Laufe des Jahres in der Lage, viele Menschen sowohl in Kampala aber vor allem auch in Adjumani, im Norden des Landes, zu unterstützen.
Adjumani
Seit Beginn des Jahres haben wir in Adjumani über 1.000 Menschen, darunter Jugendliche und auch ältere Menschen, in unserem Berufsbildungszentrum im Pagirinya Flüchtlingslager in verschiedenen Kursen ausgebildet, von IT-Fertigkeiten über Schreinern und Kochen bis hin zur Landwirtschaft. Viele haben bereits die Abschlussprüfung bestanden, ihr Zeugnis bekommen und sind bereits berufstätig, viele im Südsudan, andere in in Uganda. 175 Studierende werden über unser Sekundar- und Universitäts-Stipendienprogramm unterrichtet. Über 500 Menschen aus den verschiedenen Flüchtlingslagern werden bis heute psychologisch betreut und mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und Medizin versorgt.
Im Mai dieses Jahres hat uns eine Nachbargemeinde drei Hektar Land zur Verfügung gestellt. Dort bauen wir in Zusammenarbeit mit den Studierenden Mais, Cassava und Bohnen an und hoffen auf baldige Erträge, um unser Zentrum, aber auch die Menschen in der Umgebung mit dieser Ernte zu versorgen. Die Essensrationierung durch die UN-Flüchtlingshilfe und die Welthungerhilfe haben die Lebensmittelversorgung der Flüchtlinge stark negativ beeinträchtigt, so dass sich viele keine warme Mahlzeit am Tag leisten können.
Seit Juni 2025 haben wir einen neuen Koordinator für unser Pastorales Programm in Adjumani, P. Angelo Munduni SJ, einen Jesuiten aus Uganda, der viele Jahre die Radiostation Kwizera in Tansania geleitet hat. Mit seiner Präsenz konnten wir bereits wieder Katechetinnen und Katecheten ausbilden, verschiedene Workshops anbieten, den Welttag der Flüchtlinge am 5. Oktober feiern und weiterhin die Gemeinden Woche für Woche seelsorgerisch begleiten.
Im September 2025 organisierte der JRS eine Sportgala in Ayilo, einem der Flüchtlingslager in Adjumani, um Fußballplätze in Orte des friedlichen Zusammenlebens zu verwandeln. Dabei nutzte man die universelle Sprache des Sports, um Brücken zu bauen, wo der formelle Dialog allein nicht ausreichte.
Kampala
Seit Beginn des Jahres, trotz der herausfordernden Situation, waren wir in der Lage, knapp 300 Studierenden eine technisch-berufliche Ausbildung anzubieten. Knapp 500 Menschen wurden psychologisch betreut und in den Bereichen Menschenrechte, Mentale Gesundheit und anderen wichtigen Themen weitergebildet. In unserer Abteilung für Basic Needs haben wir bis heute gut 2.500 Menschen mit Essen, medizinischer Behandlung und Mietunterstützung versorgt. Unser Stipendienprogramm in Kampala zählt aktuell 195 Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Grund- und Sekundarschule sowie Universitätsausbildung.
Der JRS Uganda war Gastgeber der ersten Süd-Süd-Dialogkonferenz in Kampala, an der wichtige Akteure aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Migration und Schutz teilnahmen.
Diese Veranstaltung – Teil einer umfassenderen Initiative zur Verbesserung des Zugangs zu Schutz und Asyl in der Region – schuf Raum für gemeinsames Lernen, den Austausch bewährter Verfahren und eine stärkere Zusammenarbeit in der Region. Das Konsortium wird vom Scalabrini Centre in Kapstadt in Zusammenarbeit mit dem JRS und dem Catholic Centre for Legal Aid Services (CCLAS) in Uganda, dem Consortium for Refugees and Migrants (CoRMSA) und dem Scalabrini Institute for Human Mobility in Africa (SIHMA) geleitet. Das Programm zur Unterstützung des Dialogs über Migration und Mobilität (MMD), unter das das Projekt fällt, ist Teil einer gemeinsamen Strategie Afrikas und der EU unter der Leitung des Internationalen Zentrums für Migrationspolitikentwicklung (ICMPD).
Jahren voller Höhen, Momente der Sorge
Seit April 2017, meinem Start hier in Kampala, bin ich viele verschiedenen Wege gegangen, sowohl in Uganda und in der Region Ostafrika, aber vor allem auch persönlich, von der Programm-Koordination und stellvertretenden Leitung bis hin zur Landesleitung seit Juli 2021. Nie hätte ich gedacht, dass es je zu all dem kommen würde.
Nach achteinhalb Jahren beim Jesuitenflüchtlingsdienst Uganda, Jahren voller Höhen, aber auch Momenten der Einsamkeit, Sorge, Trauer und Unsicherheit, habe ich die Entscheidung getroffen, dass es an der Zeit ist, einen neuen, anderen Weg zu gehen. Vieles war nicht immer einfach, aber mit Hilfe der Kolleginnen und Kollegen in Uganda, im Regional- und Internationalen Büro und nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung vor allem aus Deutschland konnten wir die Organisation vorwärtsbringen und vielen bedürftigen Menschen helfen.
Die Menschen und die Projekte brauchen neue Ideen und Kreativität, es ist an der Zeit für einen Wechsel.
Somit darf ich Ihnen meinen Nachfolger vorstellen: Am 1. November 2025 hat P. Paul Kalenzi SJ die Leitung des Jesuitenflüchtlingsdienstes in Uganda übernommen:
Paul Kalenzi, ein Jesuit aus Uganda, stammt aus einer Flüchtlingsfamilie, die 1979, kurz nach seiner Geburt, aus Uganda nach Kenia floh. Er wuchs in Nairobi auf, bis seine Familie, als er 10 Jahre alt war, nach Uganda zurückkehrte. Paul besuchte das St. Mary’s College in Kisubi und die Universität Manchester, wo er 2001 seinen Bachelor abschloss. Anschließend arbeitete er als Wirtschaftsprüfer bei KPMG in London.
Paul trat 2006 in das Noviziat der Jesuiten in Tansania ein. Er studierte Philosophie in Harare, Simbabwe, und schloss mit einem Master ab. Danach arbeitete er als Entwicklungsleiter und Schatzmeister der Provinz Ostafrika, bevor er sich dem Centre Sèvres in Paris anschloss, um dort einen Bachelor- und Master-Abschluss in Theologie zu erwerben. P. Paul wurde am 2. Juli 2016 in Kampala zum Priester geweiht. Er war Schatzmeister der Arrupe Universität in Simbabwe und ging anschließend an das Boston College, um einen Master in Rechnungswesen zu absolvieren.
P. Paul arbeitete zwei Jahre lang an einer Jesuitenschule in Chicago, im Entwicklungsbüro und als Lehrer für Wirtschaft und Theologie. Er blieb in Chicago, um Spenden für die Hekima Universität (die in Kenia gegründet werden soll) zu sammeln. Außerdem studierte er an der DePaul Universität in Chicago für einen Doktor der Betriebswirtschaftslehre (DBA). Im Juni 2024 schloss er sein DBA-Studium ab und absolvierte dann von Januar bis August 2025 in Indonesien das Tertiat, die letzte Stufe der jesuitischen Ausbildung.
P. Paul übernimmt die Leitung des JRS in Uganda zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Zukunft vor allem in Kampala ist etwas unsicher, es wird Veränderungen geben müssen. Dennoch bin ich stark davon überzeugt, dass P. Paul mit seiner Ausbildung, mit seinen Erfahrungen und Talenten der Richtige an dieser Stelle ist.
Im Oktober waren wir gemeinsam im Büro, um die Mitarbeitenden kennenzulernen und ihm die verschiedenen Tätigkeiten und Aufgaben zu übertragen.
Christina Zetlmeisl
Programme werden Sozialunternehmen

Im aktuellen Umfeld hat der JRS Uganda kaum eine andere Wahl, als Kosten einzusparen und zu versuchen, Einnahmen zu generieren, manchmal auch aus ungewohnten Quellen. Am 13. Dezember wird der JRS ein Weihnachtsliederkonzert in Kampala veranstalten, um Flüchtlinge und Überlebende von Menschenhandel zu unterstützen.
Im Anschluss daran werden wir während der Fastenzeit Spendenaktionen durchführen, um Flüchtlingen ein Stück Land, Saatgut und landwirtschaftliche Geräte zu beschaffen, damit sie ihre eigenen Lebensmittel anbauen können, anstatt auf Lebensmittelrationen angewiesen zu sein, die selbst für die am stärksten gefährdeten Kinder und schwangere bzw. stillende Frauen gestrichen wurden.
Basierend auf meinem wirtschaftlichen Hintergrund beabsichtige ich, 2026 aus den verschiedenen beruflichen Programmen Sozialunternehmen zu gründen: Geflüchtete lernen Kochen und Catering, und wir werden ein Restaurant eröffnen; Geflüchtete lernen das Friseurhandwerk, und wir eröffnen einen Friseursalon; Geflüchtete lernen das Schneiderhandwerk, wir eröffnen eine kleine Bekleidungsfabrik und ein Modegeschäft; Geflüchtete lernen Metallverarbeitung, wir verkaufen die von ihnen hergestellten Produkte.
So können die Geflüchteten eine echte Geschäftserfahrung machen, und der JRS generiert eine zusätzliche Einkommensquelle. Es ist ein neues und ehrgeiziges Vorhaben, aber die sich wandelnden Zeiten erfordern es.
P. Paul Kalenzi SJ
JRS Uganda: Beistehen, begleiten, standfest bleiben!
Nothilfe, medizinische und psychosoziale Angebote, Bildung, Pastoralarbeit: Seit drei Jahrzehnten sind die Teams des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) im Osten Afrikas an der Seite Geflüchteter und Einheimischer
