– Jesuiten-Flüchtlingsdienst

Andere gehen, der JRS bleibt

Kevin Hartigan gehört zu den erfahrensten katholischen Nothilfe-Experten weltweit. Mehr als 30 Jahre war er für Catholic Relief Services in Krisenregionen tätig, heute engagiert er sich im internationalen Verwaltungsgremium des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes. Schon seine erste Begegnung mit dem JRS prägte ihn tief. Auch im aktuellen Nahost-Konflikt bleiben JRS-Teams bedingungslos an der Seite der Leidtragenden.

1981 arbeitete Kevin Hartigan in einem Flüchtlingslager an der thailändisch-kambodschanischen Grenze mit Caritas Thailand. Zwei Jesuiten luden ihn ein, ihre Arbeit auf der anderen Seite der Grenze zu besuchen, mitten im kambodschanischen Kriegsgebiet. Dort erlebte er den damals noch jungen Jesuiten-Flücht­lings­dienst in einer Extremsituation: Unterricht fand in unterirdischen Klassenräumen statt, während über den Kindern Granaten einschlugen. Kevin erinnert sich: „Inmitten von Artillerie, Explosionen und Granatenbeschuss forderten die JRS-Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler auf, das nächste Kapitel aufzuschlagen.“

„Die Leute vom JRS wurden zu meinen Helden“

Was er dort sah, ließ ihn nicht mehr los. Umgeben von Krieg und Chaos machten die Mitarbeitenden der JRS genau das, was ihn bis heute auszeichnet: Sie blieben bei den Menschen, sorgten für Bildung und eröffneten Zukunft, selbst unter lebensgefährlichen Bedingungen.

Für Kevin war früh klar: „Die Leute vom JRS wurden zu meinen Helden“

Bildung braucht einen langen Atem

Später arbeitete Kevin Hartigan gemeinsam mit seiner Frau in Haiti, Zentralafrika, dem Nahen Osten und in Südasien. Immer wieder begegnete er dabei dem JRS. Besonders eindrücklich war für ihn die Situation im Osten des Tschad. Dort wurden 2004 gemeinsam mit Jesuiten HIlfsprojekte für sudanesische Geflüchtete aufgebaut. Aus diesem Einsatz entwickelte sich eines der stärksten Bildungsprogramme des JRS weltweit.

Kevin betont, warum gerade Bildung in Flüchtlingskontexten so besonders ist: „Der JRS ist die einzige Organisation, die in diesem Umfang Verantwortung für die formale Bildung von Geflüchteten übernimmt, weil das einen außergewöhnlich langen Atem braucht.“ Genau darin sieht er eine Kernkompetenz des JRS. Bildung für geflüchtete Kinder und Jugendliche gelingt nicht mit kurzfristigen Projekten. Sie braucht Verlässlichkeit, Ausdauer und die Bereitschaft, Menschen über Jahre hinweg zu begleiten.

Bedingungslos an der Seite der Menschen

Viele Organisationen leisten in akuten Krisen wichtige Hilfe. Doch wenn Finanzierung ausläuft, Verträge enden oder die Aufmerksamkeit der Welt weiterzieht, ziehen sich viele wieder zurück. Beim JRS erlebte Hartigan etwas anderes. Im Tschad, so berichtet er, blieb der Jesuiten-Flücht­lings­dienst an der Seite der Menschen. Sein Satz bringt das auf den Punkt: „Der JRS war die einzige Organisation, die noch Kinder unterrichtete.“

Kevin erinnert sich an weitere Beispiele aus Nepal und Südindien, wo der JRS mit sonst oft vergessenen Gruppen arbeitete, etwa mit bhutanischen Geflüchteten in Nepal und mit Tamilinnen und Tamilen im Süden Indiens. Der Unterschied liegt in der Haltung des JRS: nicht nur Hilfe zu leisten, sondern Menschen so lange zu begleiten, wie es nötig ist.

Der Menschenwürde verpflichtet

Hartigan hebt nicht nur hervor, dass der JRS bleibt. Er betont auch die Qualität der Arbeit. Schon an der kambodschanischen Grenze beeindruckte ihn, dass Kinder selbst unter Kriegsbedingungen eine Bildung erhielten, die mit der ihrer Altersgenossen anderswo mithalten konnte. Ähnliche Erfahrungen machte er später in Flüchtlingslagern in Nepal und Indien.

Zugleich sieht er im JRS eine Organisation, die sich in besonderer Weise der Würde jedes Menschen verpflichtet weiß. Die Glaubenstradition und die enge Zusammenarbeit mit lokalen Kirchen schaffen Vertrauen. Sie kennen die Dynamiken in den Gemeinden, wissen um Spannungen und Notlagen und helfen, besonders benachteiligte Gruppen im Blick zu behalten. „Die langfristige Präsenz der Kirche und insbesondere der Jesuiten sorgt dafür, dass der JRS genau dort wirksam helfen kann, wo es nötig ist, und Chancen nutzt, um Menschen neue Perspektiven zu eröffnen“, sagt Kevin.

Hoffnung für Afghanistan

Während seiner Zeit als Landes- und später Regionaldirektor bei Catholic Relief Services (CRS) war Kevin 18 Jahre lang auch für Afghanistan verantwortlich. Dort half CRS in den frühen 2000er Jahren mit, die Rückkehr der ersten Jesuiten nach Kabul und Herat zu unterstützen und den Aufbau eines weiteren JRS-Programms zu ermöglichen. Heute begleitet JRS Afghanistan Geflüchtete, Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden unter anderem mit Unter­stützungszentren, ergänzender Bildung und Trainings zur Existenzsicherung.

Bleiben, begleiten, Hoffnung schenken.

Nach seinem Ruhestand im Jahr 2022 schloss sich Kevin Hartigan dem internationalen Verwaltungsgremium des JRS an. Seine Bilanz nach einem Leben in der humanitären Hilfe ist eindeutig: „Ich bin sehr dankbar. Es ist ein echtes Privileg, gerade jetzt am Ende meiner beruflichen Laufbahn an der Seite des JRS zu stehen. Ich kann mit voller Überzeugung sagen: Es gibt keine Organisation, die unter schwierigeren Bedingungen für mehr vergessene Menschen so hochwertige, so wirksame und zugleich so kosteneffiziente Arbeit leistet wie der JRS.“

Besonders bewegt ihn auch der Mut der Mitarbeitenden. Er erinnert an JRS-Teams, die selbst in gefährlichsten Konfliktzonen in Sri Lanka, Afghanistan und Syrien an der Seite der Menschen blieben. Dieser Einsatz, so macht seine Geschichte deutlich, ist kein Randaspekt, sondern Ausdruck einer tiefen Haltung: bleiben, begleiten, Hoffnung schenken.

Krise im Nahen Osten: Hilfsbedarf wächst dramatisch

Die Angriffe auf den Libanon zwingen Hunderttausende zur Flucht. Besonders gefährdet sind Fami­lien mit kleinen Kindern, Schwangere und migrantische Arbeitskräfte. Der JRS passt seine Hilfe laufend an, um Schutz und Versorgung und gewährleisten.

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