– Südsudan
Ein Hirte träumt vom Arztberuf
Benjamin Chol Lueth wuchs auf den Rinderweiden seiner Familie im Südsudan auf. Heute besucht der 20-Jährige mit Unterstützung des Jesuit Refugee Service (JRS) die Victor Luke Odambo Secondary School und träumt von einem Medizinstudium. Bildung ist für ihn ein Weg zu Frieden, Zusammenhalt und einer besseren Zukunft für sein Land.
Mein Name ist Benjamin Chol Lueth. Ich bin 20 Jahre alt und besuche die vierte Oberstufenklasse mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Victor Luke Odambo Secondary School. Ich komme aus Ayel im County Cueibet im südsudanesischen Bundesstaat Lakes.
In meiner Heimat sind Rinder mehr als Nutztiere. Sie gehören zu unserer Identität und unseren Traditionen. Auch ich verbrachte einen Teil meiner Kindheit als Rinderhirte. Meine Brüder leben bis heute in den Viehlagern.
Ich bin das vierte von sieben Kindern. Von allen Kindern meiner Familie bin ich heute der Einzige, der noch zur Schule geht.
Mein Vater ist Pastor der Episcopal Church of South Sudan. Zuvor war er Bauer und Viehhalter. Er spricht kein Englisch, sondern Dinka und Arabisch. Dennoch erkannte er den Wert von Bildung und schickte mich zur Schule, damit ich Englisch lernen und vielleicht eines Tages bei der Verkündigung des Evangeliums helfen könnte. Auch Arabisch brachte er mir bei.
Doch die Schule eröffnete mir einen anderen Traum.
Der Schulbesuch hat mein Leben verändert
Bildung öffnete mir die Augen für die Welt außerhalb meiner Gemeinschaft. Ich begann, die Herausforderungen meines Landes besser zu verstehen.
Bildung bedeutet für mich nicht nur Wissen. Sie lehrt uns, wie wir miteinander leben, einander respektieren und unterstützen können. Deshalb lerne ich nicht nur für mich oder meine Familie, sondern für meine Gemeinschaft und mein Land.
Der Traum von einer eigenen Klinik
Mein größter Wunsch ist es, Arzt zu werden.
In Cueibet ist der Zugang zu medizinischer Versorgung sehr begrenzt. Es gibt nur wenige Krankenhäuser und nicht genügend Ärzte oder Pflegekräfte. In Folge gewaltsamer Konflikte leiden viele Menschen, ohne Hilfe zu erhalten.
Auch Unterstützung bei psychischen Belastungen und traumatischen Erfahrungen ist selten. Ich habe Menschen gesehen, die keine Behandlung bekamen, weil es keine Angebote gab oder sie sich diese nicht leisten konnten.
Eines Tages möchte ich in meiner Heimat eine Klinik eröffnen. Dort sollen auch Menschen behandelt werden, die kein Geld haben. Ich möchte denjenigen Hoffnung geben, die leiden.
Eine Schule, die Zukunft schafft
Zunächst besuchte ich die Cueibet Secondary School. Weil es dort an Lehrkräften mangelte, wechselte ich 2024 an die Victor Luke Odambo Secondary School.
Unsere Schule besitzt noch kein Labor für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Dafür haben wir engagierte Lehrkräfte. Viele von ihnen haben weder ein Auto noch ein Motorrad. Trotzdem kommen sie jeden Morgen früh zur Schule, unterrichten uns und ermutigen uns, weiterzulernen.
Die Schule steht in der Tradition einer Missionsschule. Disziplin, Respekt und ein friedliches Miteinander sind hier wichtig. Wir lernen auch über psychische Gesundheit, traumatische Erfahrungen und den Umgang mit Stress.
Dadurch achten wir aufeinander und unterstützen uns. In der Schule sehen wir uns nicht als Angehörige verschiedener Gemeinschaften, sondern als eine Gemeinschaft.
Für die Zukunft des Südsudan ist das entscheidend. Bildung kann Menschen helfen, den Dialog statt der Gewalt zu wählen. Sie kann Korruption, Diskriminierung und Spaltung verringern und dazu beitragen, Krankenhäuser, Straßen und starke Gemeinschaften aufzubauen.
Mein Traum ist deshalb größer als mein eigener Erfolg. Ich wünsche mir, dass junge Menschen gemeinsam eine bessere Zukunft für unser Land schaffen.
Ein Vermächtnis lebt weiter
Ich bin den Jesuiten und ihren Partnerorganisationen sehr dankbar. Sie haben den Traum von Victor Luke Odambo nach seinem tragischen Tod nicht aufgegeben. Stattdessen unterstützten sie weiterhin Bildung, unter anderem an der St. Justina Primary School und der Victor Luke Odambo Secondary School.
Für mich ist das ein Zeichen von Liebe und Mut.
Ich selbst kann kein Geld geben. Aber ich kann meinen Dank und meine Gebete schenken. Möge Gott alle Menschen segnen, die sich für Bildung und für die Bevölkerung des Südsudan einsetzen, besonders für die Menschen in Cueibet.
Ihre Arbeit verändert Leben.
Auch meines.
Ihre Unterstützung für den JRS Südsudan:
Krise im Südsudan – Schenken Sie Hoffnung!
Hunderttausende Geflüchtete leben in den Lagern von Maban, Renk, Yambio – und täglich fliehen weitere Familien vor dem Krieg aus dem Nachbarland Sudan. Nahrung, Wasser und Bildungsangebote sind knapp. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) unterstützt Geflüchtete und Aufnahmegemeinschaften

