– Syrien

Beibringen, was hilft

Das staatliche Schulsystem bietet ihnen wenig Perspektiven, die allgemeine Armut ist groß: Viele syrische Kinder und Jugendliche müssen arbeiten und können nicht den Unterricht besuchen. In den Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) können sie essen, spielen und Freude am Lernen gewinnen – ohne Frontalunterricht und Leistungsansprüche.

Der Stadtteil Jaramana in Syriens Haupstadt Damaskus war traditionell einst ein Drusen-Viertel. Heute ist es sehr gemischt: Drusen, Christen, Muslime. Von Anfang an sind viele Familien, die innerhalb Syriens vor dem Krieg geflohen sind, hierhergezogen. Es ist eine Gegend mit viel Not. Deshalb entschieden sich die Jesuiten, hier einen Schwerpunkt ihrer Arbeit zu setzen. Der 37-jährige Pater Fouad SJ, der selbst in Yabroud nahe Damaskus aufwuchs, leitet den JRS (Jesuit Refugee Service) in Syrien. Im JRS-Zentrum in Jaramana sitzen Mädchen und Jungen im Alter von 8 bis 14 Jahren in kleinen Gruppen an den im Raum und im Garten verteilten Tischen. Lesen, Schreiben, Rechnen, Geografie – auf spielerische Weise werden Basiskenntnisse vermittelt. „Die meisten unserer Kinder arbeiten, um etwas zum Familienunterhalt beizutragen“, sagt Pater Fouad.

„Wir verurteilen das nicht, sondern versuchen, ihnen das beizubringen, was ihnen hilft. Sie arbeiten in Fabriken, Restaurants, Cafés, Bäckereien, Geschäften oder auf der Straße, oft bis spätabends oder auch nachts. Sie kommen morgens nach der Arbeit zu uns ins Zentrum, um etwas zu essen, zwei Stunden zu lernen und dann zu spielen. Wir sind keine Schule mit Frontalunterricht und Leistungsansprüchen. Wir wollen die Kinder so begleiten, dass sie später einmal gute Erinnerungen haben. Denn eine Kindheit haben sie nicht mehr.“

Die Kinder dort erreichen, wo sie leben

Nachmittags gibt es Kurse für Kinder, die zwar zur Schule gehen, aber aufgrund heillos überfüllter Klassen, fehlender Lehrer und versäumter Jahre dem Unterricht nicht folgen können und große Wissenslücken haben. „Auch schon vor dem Krieg war das staatliche Schulsystem für Kinder aus armen Familien sehr schlecht“, sagt Pater Fouad. „Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer geworden…“

Der JRS geht dorthin, wo die Situation der Menschen und auch der Kinder besonders hoffnungslos ist. Auf die Fahnen hat er sich Bildung geschrieben, die die Kinder dort erreicht, wo sie leben, und ihr Leben so begleitet, dass sie gute Ergebnisse erzielen und wieder Freude am Lernen gewinnen können. Es ist auch Raum zum Spielen. Die Kinderarbeit wird nicht per se verteufelt. Sie ist hier ein Mittel zum Überleben.

Aber wenn die Kinder in dem Lernprogramm gestärkt und froh gemacht werden, können sie auch nicht so leicht Opfer von Ausbeutung und Schikanen werden.

Margret Vogt

Dieser Text erschien in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Stimmen der Zeit. Margret Vogt, Projektreferentin der Don Bosco Mission in Bonn, analysiert darin die Ursachen und benennt internationale Lösungsansätze, denn die Ausprägungen von Kinderarbeit unterscheiden sich weltweit stark. Insbesondere die Bildungsinstitutionen spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen Kinderarbeit – wegen Covid-19 mussten einige jedoch schließen. Die Autorin stellt das Engagement des Jesuiten­ordens, der Franziskanerinnen und der Salesianer Don Boscos vor.

Nachbarschaftszentren geben Halt

Nach neun Jahren Bürgerkrieg droht Syrien eine ganze Generation zu verlieren: Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht, zwei Millionen besuchen überhaupt keine Schule. Unzählige Kinder und Jugendliche, viele von ihnen Binnenvertriebene, sind schwer traumatisiert. Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flücht­lings­dienst geben ihnen an vier Standorten Halt und Perspektive.

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