– Agrarökologie
Meine Erde, mein Palast
Die Arbeit im landwirtschaftlichen Schulungszentrum Kursus Pertanian Taman Tani (KPTT) ist für den indonesischen Jesuiten Bruder Dieng Karnedi SJ ein persönlicher „Schlüssel zur ökologischen Bewusstseinsbildung“. In einer Reflexion ruft uns dazu auf, unsere Beziehung zur Erde grundlegend zu überdenken: „nicht als Ressource, sondern als heilige Gabe“.
In den letzten Jahren haben verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche in Aceh und West-Sumatra, Indonesien, unser kollektives Bewusstsein erschüttert. Zahlreiche Beobachter und Fachleute äußerten sich zu Ursachen und Folgen dieser Katastrophen. Diese Analysen sind zwar wichtig – hätten sie aber früher stattgefunden, wären vielleicht viele Leben und Lebensräume zu retten gewesen.
Doch was müssen wir tatsächlich verstehen, wenn wir die tieferliegenden Wurzeln der ökologischen Krise betrachten? Und wie können wir einen Wandel bewirken, der über kurzfristige Reaktionen hinausgeht?
Die Wurzel des Problems
Ökologische Zerstörung ist wie eine Krankheit, deren Symptome oft unbemerkt bleiben, bis sie plötzlich in einer ernsten Krise ausbricht. So wie Krebs im Verborgenen wächst, zeigt sich die Erschöpfung unseres Planeten erst in zerstörerischen Ereignissen. Doch trotz dieser Alarmzeichen haben viele Menschen Schwierigkeiten, den Zusammenhang zu erkennen.
Der jüdisch-christliche Philosoph Martin Buber beschreibt zwei Arten der Beziehung des Menschen zur Welt: eine Ich-Es-Beziehung, in der andere – auch die Natur – als bloße Objekte behandelt werden, und eine Ich-Du-Beziehung, in der der andere als wertvoller Mit-Existenzpartner anerkannt wird.
Wenn wir die Natur wie einen Gegenstand betrachten, der uns gehört, dann verlieren wir Respekt, Dankbarkeit und Verantwortung. Die Welt wird zu einem „Etwas“, das wir nach Belieben formen und ausbeuten können. Doch wenn wir die Erde als ein Du wahrnehmen – ein Wesen mit Würde und existenzieller Bedeutung – dann beginnt sich unser Umgang mit ihr grundlegend zu verändern.
Vom abstrakten Wissen zur gelebten Praxis
Ein Schlüssel zur ökologischen Bewusstseinsbildung ist die Landwirtschaft. Landwirtschaft lässt uns nicht nur über Pflanzen und Tiere nachdenken, sondern zwingt uns, die lebendigen Elemente wie Boden, Wasser, Luft und Licht als miteinander verflochtene Lebensspender wahrzunehmen. Gerade diese Elemente bilden das Gefüge, das alles Leben auf der Erde erhält.
In Salatiga (Indonesien) hat das Kursus Pertanian Taman Tani gemeinsam mit dem Jesuit Social Service in Timor-Leste eine Trainingswoche zur organischen Landwirtschaft angeboten. Teilnehmende aus der Hlalmeta-Gemeinschaft und Mitarbeitende des Jesuit Social Service entwickelten dort Strategien für nachhaltige, ökologisch ausgerichtete Anbaumethoden. Trotz Herausforderungen wie geringer Bodenfruchtbarkeit, fehlender Biodiversität oder mangelnder Infrastruktur zeigt sich: Es gibt einen Weg, Landwirtschaft so zu denken und zu gestalten, dass sie mit dem Leben in Einklang steht. Vier Prinzipien der natürlichen Ökosysteme – Biodiversität, ökologisches Gleichgewicht, Nährstoffkreisläufe und Bodenfruchtbarkeit – wurden als Grundlage für diese Entwicklung vermittelt.
Zuhause ist kein Ort, sondern eine Beziehung
In Indonesien sagt man: „Mein Zuhause ist mein Palast.“ Genau dieses Bild hilft uns, die Bedeutung von Ökologie neu zu sehen. Das Wort „Ökologie“ stammt vom griechischen oikos – dem Haus, dem Lebensraum. Ein Palast wird gepflegt, gehegt und geschätzt. Er bleibt nicht in seinem Glanz, wenn man ihn ignoriert. Ebenso braucht unsere Erde liebevolle Fürsorge.
Wir alle leben in diesem gemeinsamen Haus. Wir sind miteinander und mit der Schöpfung verbunden. Als Jesu-Gefährten sind wir eingeladen, nicht nur zu analysieren, sondern zu handeln – mit Respekt, Verantwortung und Hoffnung.
Einladung zur Umkehr
Diese Reflexion ruft uns dazu auf, unsere Beziehung zur Erde grundlegend zu überdenken: Nicht als Ressource, sondern als heilige Gabe.Nicht aus Angst vor der Katastrophe, sondern aus Liebe zu unserem gemeinsamen Zuhause.
KATC: Ökologische Wende für Afrikas Süden
Auch in Afrika stehen Jesuiten – an der Seite kleinbäuerlicher Gemeinschaften – ein für die sozial-ölologische Transformation, eine Landwirtschaft zum Wohle von Mensch und Natur und den Schutz unseres gemeinsamen Hauses. Unterstützen Sie mit uns die Arbeit des deutschen Jesuitenpaters Claus Recktenwald SJ und seines Teams im Kasisi Agricultural Centre (KATC) in Sambia!



