– Brasilien

Bildungsbarrieren überwinden!

In der Amtszeit von Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat sich Brasiliens soziale Kluft weiter vertieft, speziell im Bildungssektor. Als Reaktion darauf entstand das Projekt „Militância Jurídica“, das für benachteiligte junge Menschen den Traum eines Jura-Studiums wahr werden lässt.

Chancengleichheit bleibt in Brasilien eine Utopie. Insbesondere die Rechtswissenschaften stehen aufgrund der hohen Studienkosten vor einem klaren Klassenproblem. Mitglieder sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen wie indigener Gemeinschaften schaffen es selten in den juristischen Bereich. Dabei besteht aufgrund der zahlreichen Menschen­rechts­ver­letzungen gerade für sie ein hoher Bedarf, die Interessen ihrer Gemeinschaften zu vertreten. Ein Hoffnungsschimmer ist jedoch das Projekt „Militância Jurídica“: Es ist das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen eines Kollektivs juristischer Fachleute, darunter Maria Estefânia Nicolau, Marcia Días, Meg Rocha, Natália Barreto, Nayleide Silva, Andreia Rocha und Rafael Pantoja. Ihr Ziel ist es, Juristinnen und Juristen zu vereinen und strategisch so zu organisieren, dass sie die Positionen in Regierung und Unternehmen erreichen können, die nötig sind, um die Menschen­rechte besser zu schützen.

Angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Lebensräume indigener Völker im Amazonasgebiet gewinnt das Projekt in Ländern wie Brasilien zusätzlich an Bedeutung. Durch Stipendien können sich die Mitglieder des Kollektivs voll und ganz dem Studium widmen. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten zu ehrenamtlichem Einsatz und sozialem Engagement bei „Militância Jurídica“. Eine von ihnen war Marcia Días.

Marcia Días’ Flucht vor dem „klassischen Frauenschicksal“

Marcia Días wurde 1976 im Herzen des Amazonas-Regenwaldes, im brasilianischen Bundesstaat Pará, geboren. Als Frau aus ärmlichen Verhältnissen kennt sie die Hürden, die mit dem Streben nach Bildung in Brasilien einhergehen, nur allzu gut. In ihrem Heimatdorf Goiabal war der Gedanke an ein Jura-Studium besonders für Mädchen unvorstellbar. Sie sagt dazu: „Uns Mädchen und Frauen war aufgrund der Armut, in die wir hineingeboren waren, ein Schicksal gewiss: einen Mann heiraten und viele Kinder bekommen, ohne andere Perspektiven.“

Marcia jedoch strebte nach mehr. Nach ihrem Schulabschluss trat sie vorübergehend in ein Kloster ein, was ihre Studienpläne unterbrach. Im Jahr 1996 verließ sie das Kloster und setzte sich erneut für ihre Bildungsziele ein. Trotz finanzieller Engpässe und familiärer Verantwortung ließ sie sich nicht entmutigen. In ihrer Entschlossenheit reiste sie nach Manaus und lernte dort den Missionspriester Riccardo Zanchin kennen. Sie interessierte sich damals für ein Sportstudium. Er lud sie ein, an sozialen Projekten in St. Helena und St. Monica teilzunehmen. Durch ihre Zusage erhielt Marcia ihr erstes Stipendium, das es ihr ermöglichte, an einem teuren Vorbereitungskurs für die Universitätsaufnahmeprüfung teilzunehmen.

Wissen als Werkzeug für Gerechtig­keit

„Da ich auf mein Herz hörte, widmete ich mich einem neuen Ziel: an einer öffentlichen Universität Jura zu studieren. Jedoch gelang es mir aufgrund der Konkurrenz und meiner beruflichen Verpflichtungen nicht, Zeit für das Studium zu finden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen entschied ich mich 2005 für ein Studium an einer Privatuniversität“, erinnert sie sich. Obwohl diese Jahre geprägt waren von Opfern und Herausforderungen, bereut Marcia keinen Moment. Für sie war klar: Wissen ist ein mächtiges Werkzeug, um jenen zu helfen, die Unrecht erfahren. Im Jahr 2010 beschloss sie, Pflichtverteidigerin zu werden.

Nach dem Bestehen des brasilianischen Anwaltsexamens im folgenden Jahr widmete sie ihr Leben zunehmend diesem Ziel. Gemeinsam für alle ohne Stimme Auf ihrem Weg begegnete sie Menschen mit ähnlichen Lebensgeschichten und Träumen. Als Team wollen sie heute Bildungsbarrieren überwinden. Dank der Unter­stützung von jesuitenweltweit und der jesuitischen Organisation SARES (Amazonas-Dienst für Aktion, Reflexion und sozio-ökologische Bildung), insbesondere von Pater Paulo Barausse SJ, wurde der Traum zur Realität und somit auch die Finanzierung von Stipendien möglich. „Eine Prüfung im juristischen Bereich zu bestehen, ist ohne Hilfe unmöglich, besonders für Frauen wie uns, die aus ärmlichen Verhältnissen kommen. Wir konkurrieren mit der wohlhabenden Schicht, die sich neben dem Studium kaum um andere Dinge kümmern muss. Wir sind Mütter, Pflegerinnen, Aktivistinnen und Arbeiterinnen – und das alles gleichzeitig!“, gibt Marcia zu verstehen.

Obwohl Marcia noch nicht als Pflichtverteidigerin zugelassen wurde, nähert sie sich ihrem Ziel. Die Zulassung als Analytikerin im Büro eines Pflichtverteidigers hat sie nämlich bereits in der Tasche. „Sobald ich dieses Jahr einberufen werde, werden wir eine bedeutende Rolle spielen, um für soziale Gerechtig­keit und die Verwirklichung der Menschen­rechte zu kämpfen, wie sie in der brasilianischen Verfassung garantiert sind.“

Stipendium für mehr Gerechtigkeit

Widerrechtliche Abholzung, Brandrodung, zerstörte Lebensräume – und die brasilianische Justiz sieht zu. Um das zu ändern, unterstützt das Amazonien-Projekt „Militância Jurídica“ Menschenrechtsaktivist:innen im Auswahlverfahren für ein Jura-Studium

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