Venezuela: Leben auf Kante

In den Vierteln von Caracas ist die Krise kein fernes politisches Thema: Regale sind leer, Medikamente unbezahlbar, Stromleitungen kaputt, Schulen verwaist. Mit dem Angriff der USA vom 3. Januar kam eine neue Angst. Die Jesuiten halten dagegen und schaffen Schutzräume.

X31262 Venezuela

Ort:
Venezuela

Partner:
P. Manuel Zapata SJ (San Alberto Hurtado), P. Goyo Teran SJ (Fe y Alegría), P. Alfredo Infante SJ (Provinzial der Jesuiten in Venezuela)

Zielgruppe:

In La Vega, einem Stadtteil von Caracas, wird sichtbar, was die Krise Venezuelas im Alltag bedeutet: materielle Not, Angst und kaum Aussicht auf Besserung. Viele Fami­lien kämpfen um tägliche Mahlzeiten, um Medikamente, Schulmaterial, Wasser und Strom.

So hilft Ihre Spende:

Sichere Räume, verlässliche Begleitung, Bildung, Gemeinschaft, Gesundheitsarbeit: Wir wollen die Arbeit der Jesuiten in Venezuela 2026 mit 120.000 Euro unterstützen. Helfen Sie mit!

  • 50 Euro tragen einen Workshop für Frieden und gewaltfreie Konfliktlösung
  • Mit 100 Euro schenken Sie acht traumatisierten Menschen eine Woche psychosoziale Begleitung
  • 1.000 Euro finanzieren einmonatige Bildungsangebote für 60 Kinder und Jugendliche

Räume der Hoffnung

In La Vega gibt die Armut den Takt vor. Viele Eltern gehen von früh bis spät verschiedenen kleinen Jobs nach und wissen trotzdem nicht, ob das Geld für Essen, Fahrgeld, Medikamente oder Schulmaterial reicht.

Hier arbeiten die Jesuiten: Die Pfarrei, das Bildungszentrum San Alberto Hurtado, die Gesundheitsarbeit, das Schulwerk Fe y Alegría und das Sozialinstitut Centro Gumilla bilden ein Netz aus Seelsorge, Bildung, Begleitung, Advocacy und praktischer Hilfe. Es ersetzt keinen funktionierenden Staat. Aber es fängt Menschen dort auf, wo sonst oft nur Müdigkeit, Angst und Ratlosigkeit bleiben.

Angespannte Ruhe

Die Angst in Venezuela kommt von außen und von innen: die Furcht, das Land könnte zum Schauplatz eines Kriegs werden – und die ständige Sorge, beobachtet, denunziert oder kontrolliert zu werden. Hinzu kommt die materielle Not.

Gesundheit wird zur Rechenaufgabe

Doménica Vega, Gemeindeleiterin in La Vega, beschreibt „eine angespannte Ruhe“.

Die Lebensqualität hat sich weiter verschlechtert. Der Wert des Dollars steigt, kleine Händler und Verbraucher geraten unter Druck. Öffentlicher Nahverkehr wird teurer und teurer. Wasser kommt nur unregelmäßig, in manchen Vierteln fällt der Strom für drei oder vier Tage aus.

Auch Bianca Infante, Koordinatorin des Gesundheitszentrums San José Gregorio Hernández, sieht die Not täglich. Seit Januar kamen gerade 113 Patientinnen und Patienten in die Sprechstunden. Dass es nicht mehr waren, liege nicht am fehlende Angebot, sondern am Geld. Gesundheit wird zur Rechenaufgabe. 

Seelsorge, Bildung, Hilfe im Alltag

Die Pfarrei San Alberto Hurtado organisiert Lebensmittel und medizinische Basisversorgung, bietet spirituelle Angebote und Räume des Gesprächs. „Die Arbeit geht weit über die Verwaltung der Sakramente hinaus“, sagt Pater Manuel Zapata. Die Pfarrei wird zu einem „Feldlazarett“. Für Menschen, die unter Angst und Armut leben, bietet sie spirituelle Angebote und Räume des Gesprächs. Der Glaube kann die Wirklichkeit nicht verdecken. Er kann helfen, sie auszuhalten.

Besonders wichtig ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Viele sind tagsüber allein. Einige passen auf jüngere Geschwister auf, während Mutter oder Vater arbeiten. Sie essen nicht ausreichend, manche nur einmal am Tag. Es gibt kaum sichere Plätze zum Spielen. Pater Zapata sagt: „Diejenigen die unter Gewalt, wirtschaftlichen Schwierig­keiten und Unsicherheit am meisten leiden, sind die Kinder.“

„Ohne Wandel gibt es keine Versöhnung“

Im Centro de Formación Integral San Alberto Hurtado bekommen Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren Raum für Sport, Kultur und Gemeinschaft. Auch die vom jesuitische Bildungswerk Fe y Alegría betriebene Schule Luis María Olaso ist Teil dieses Netzes. 26 Schülerinnen und Schüler, fast zehn Prozent, gelten als besonders gefährdet und erhalten Unter­stützung durch Stipendien, berichtet Direktorin Marta Piñango. Die Gehälter vieler Eltern reichen gerade so, dass die Familie überhaupt essen kann.

Gleichzeitig stehen die Lehrkräfte unter Druck. Auch ihre Gehälter decken nicht den täglichen Bedarf. Einige geben nachmittags Nachhilfe, andere verkaufen Waren, manche wandern aus. Dass der Unterricht ausfällt, weil der Lehrer anderweitig arbeitet, um über die Runden zu kommen, ist nichts Ungewöhnliches.

Das Centro Gumilla ergänzt die konkrete Hilfe vor Ort durch Forschung, Bildung und gesellschaftliche Analyse. Was bedeutet Versöhnung in einem Land, dessen Institutionen zu oft Werkzeuge politischer Kontrolle waren? Pater Rodríguez, Leiter des jesuitischen Instituts stellt klar: „Ohne Hoffnung gibt es keinen Wandel, und ohne Wandel gibt es keine Versöhnung.“ 

Ein Traum wird wahr!

Landesweit betreibt Fe y Alegría 176 Schulen: Sie werden zum Anker, der verhindert, dass eine Gesellschaft schiffbrüchig wird. In einem armen Bezirk der Großstadt Barquisimeto wurde im April 2026 die jüngste Einrichtung eröffnet: ein sicherer Lernort für 200 Kinder!

Fe y Alegría Las Tinajitas wurde 2006 in Barquisimeto im Nordwesten von Venezuela gegründet, zunächst in einem angemieteten Wellblechgebäude. Die Gemeinde ist eingebettet in Industriezonen, ein Gebiet mit hoher Armutsrate. Fast 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind mangelernährt. Die Nachfrage nach Schulplätzen ist groß.

Fe y Alegría hat für den Neubau ein großflächiges Grundstück erworben, von Beginn an waren Eltern und Gemeinschaft an der Planung beteiligt. Das soziale Gefüge rund um die Schule trägt. Gute Ausbildung für die Kinder ist oberste Priorität. Sandra, eine der Gründerinnen sagt: „Ein Traum ist Wirklichkeit geworden, dank der Unter­stützung können wir sagen: Wir haben es geschafft!" 

Goyo Terán SJ, Direktor von Fe y Alegría in Venezuela, ist überzeugt: In der aktuellen Situation braucht es den Einsatz von Fe y Alegría mehr denn je: „Hier sind wir. Und hier bleiben wir. Getragen durch den Glauben an Jesus, das Engagement und die Hingabe so vieler Menschen auf allen Ebenen von Fe y Alegría.“

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