Venezuela: Hoffnung im Elend

Seit dem Jahr 2000 sind mehr als sechs Millionen Venezolaner:innen aus ihrer Heimat geflüchtet, vier Millionen davon in den letzten sechs Jahren. Viele von ihnen brechen zu Fuß auf in eine ungewisse Zukunft.

Projekt X31221 Venezuela

Ort:
Venezuela und seine Anrainerstaaten

Partner:
Netzwerk der Jesuiten für Migrant:innen in Lateinamerika

Zielgruppe:

Täglich verlassen etwa 5.000 venezolanische Staats­bürger:innen ihre Heimat. Es sind Menschen, die sich keine Flugtickets leisten können. Sie haben nichts, was sie verkaufen können für einen Start in ein neues Leben. Sie sind zu Fuß unterwegs. Jede Etappe ihres Weges ist von Unsicherheit und nur schwer überwindbaren Hindernissen geprägt.

Unterstützung für die „Caminantes“

Das Netzwerk der Jesuiten für Migrant:innen leistet in ganz Latein­amerika koordinierte Hilfe, durch Versorgung mit Lebensmitteln und durch Rechtsberatung, durch psychosoziale Begleitung und bei der Integration im Aufnahmeland, beim Schulbesuch und bei der Suche nach Arbeit, um die Familie zu ernähren.

Dafür bitten wir Sie herzlich um Unter­stützung und bedanken uns für Ihre Hilfe!

Ein Massenexodus

„Caminantes“, so werden sie in Latein­amerika genannt: Menschen, die meist zu Fuß auf dem Weg sind in eine mehr als ungewisse Zukunft. Sie brechen auf, weil es in ihrer Heimat keine Perspektiven mehr gibt. Das Netzwerk der Jesuiten für Migrant:innen unterstützt die Caminantes an den Grenzen und in den Ländern, in denen sie Aufnahme suchen.

Die Abwesenheit stabiler staatlicher Institutionen erklärt die wirtschaftliche und soziale Krise, die Gewalt und auch die ökologischen Missstände, die zum zweitgrößten Migrationsstrom auf der Welt nach dem aus Syrien geführt haben. Seit dem Jahr 2000 sind mehr als sechs Millionen Venezolaner:innen aus ihrer Heimat geflüchtet, vier Millionen davon in den letzten sechs Jahren. Solange es zu keinem tiefgreifenden und friedlichen Wandel im Land kommt, solange keine demokratischen Strukturen wiederhergestellt werden und kein Wieder­auf­bau erfolgt, wird sich an den Fluchtursachen und dem damit verbundenen Migrationsstrom nicht viel ändern.

Kein Verkehr, kein Bargeld

Es herrscht kein Krieg, aber alle anderen Formen von Gewalt sind in Venezuela präsent und treiben die Menschen in die Flucht: strukturelle Gewalt, die sich in Armut und Ungleichheit zeigt und in der enormen Schwierig­keit, Grundbedürfnisse zu decken. Institutionelle Gewalt, die Krise der Demokratie, die Korruption, die Straffreiheit und die Elitenbildung spielen eine große Rolle. Diese Faktoren schaffen ein Klima der sozialen Unsicherheit, das jegliche Zukunft verhindert.

„Zuerst waren viele junge Menschen, Pärchen unterwegs; dann kamen ganze Fami­lien, Frauen allein mit ihren Töchtern, alte Menschen, Menschen mit Behinderungen. Wir waren zu Fuß unterwegs, mit nichts, nur mit unseren Träumen“, sagt eine Caminante. Immer mehr Frauen und unbegleitete Minderjährige machen sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft. Immer mehr Migrant:innen versuchen, über die grüne Grenze zu kommen – damit steigt die Zahl Geflüchteter ohne Aufenthaltsstatus.

Das birgt große Risiken für die Migrant:innen. Schon die Wanderung zu Fuß innerhalb Venezuelas bis an die Grenze birgt ein großes Risiko mit vielen Hindernissen. Die Zunahme von bewaffneten Konflikten in Kolumbien erschwert die Lage zusätzlich.

Was die Caminantes brauchen

Die Jesuiten in Latein­amerika haben ein Netzwerk für Migrant:innen gegründet, um über Landesgrenzen hinweg durch den Zusammenschluss verschiedener Organisationen wie des Jesuiten-Flücht­lings­diensts (JRS) aber auch nicht-jesu­itischer Institutionen, gemeinsam auf möglichst vielen Ebenen und an vielen Orten zu helfen. Sie haben Anlaufstellen an den Grenzen und in den Städten, in denen die Caminantes eine Bleibe suchen. Oft sind sie in vielen Etappen unterwegs, werden an Grenzen abgewiesen, müssen immer wieder weiterziehen, sind hilflos und schutzlos. Sie brauchen unsere Begleitung.

Eine der Kultur der Gastfreundschaft schaffen

Die wichtigste Aufgabe ist die unmittelbare Begleitung der Vertriebenen. Hier sind die Teams des Jesuitendienstes für Migrant:innen an vielen Orten in ganz Latein­amerika gefragt. Sie helfen mit den notwendigsten Lebensmitteln und Unterkunft, Medikamenten und Hygieneartikeln und organisieren, wenn nötig, ärztliche Hilfe. Vor allem Mütter mit Kleinkindern und neu angekommene Migrant:innen brauchen diese Unter­stützung dringend. Außerdem bieten die Jesuiten Rechtsberatung an und versuchen, bei der Integration im Aufnahmeland zu helfen. Hier geht es nicht nur um die Unter­stützung bei ihrem Bemühen, Fuß zu fassen, Unterkunft und Arbeit zu finden, sondern es betrifft die gesamte Gemeinschaft. Es geht darum, ein gegenseitiges Verständnis zu schaffen und die Kultur der Gastfreundschaft zu fördern, inmitten aller Schwierig­keiten.

Es geht auch darum, vorherrschende Narrative zu verändern und auch die positiven Aspekte und Beiträge der Migrant:innen zu betonen. Auf politischer Ebene setzt sich das Netzwerk bei Entscheidungsträgern dafür ein, dass Migrant:innen besseren Schutz und mehr Rechte bekommen. All das basiert auf dem Wunsch, in den Aufnahmeländern eine Kultur der Gastfreundschaft zu schaffen und zu fördern, mit einem klaren Horizont von Gerechtig­keit und Versöhnung, damit langfristig ein gutes Zusammenleben möglich wird.

Weitere Informationen:

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