– Erdbebenhilfe
Venezuela zwischen Trümmern und Trauer
Zwei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe ist die Not in Venezuela ungebrochen. Mindestens 3.685 Menschen kamen ums Leben, fast 18.000 verloren ihr Zuhause. Katrin Morales, Geschäftsführerin von jesuitenweltweit Österreich ist vor Ort und berichtet von großer Verzweiflung, aber auch von der beeindruckenden Nothilfe der venezolanischen Jesuiten. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, damit betroffene Familien mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Notunterkünften und psychosozialer Unterstützung versorgt werden können.
Nach dem jüngsten von den venezolanischen Behörden veröffentlichten Stand vom 8. Juli 2026 kamen mindestens 3.685 Menschen ums Leben, 16.740 weitere wurden verletzt. Rund 17.907 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Nach offiziellen Angaben konnten 6.461 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet werden.
Besonders schwer betroffen sind der Küstenstaat La Guaira und Teile der Hauptstadt Caracas. Zahlreiche Straßen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden vollständig zerstört oder schwer beschädigt. Viele Menschen leben derzeit in Zelten oder provisorischen Unterkünften.
„Die Situation ist wirklich erschütternd“, berichtet Katrin Morales, Geschäftsführerin von jesuitenwelteit Österreich, aus dem Katastrophengebiet. Menschen stehen vor ihren eingestürzten Häusern und warten darauf, dass ihre verstorbenen Angehörigen geborgen werden. Gleichzeitig fehlt es an technischer Unterstützung, an Lampen, Geräten und Ausrüstung.
Hinter den offiziellen Zahlen stehen Tausende persönliche Schicksale. „Es gibt unzählige herzzerreißende Geschichten und überall weinende Menschen“, sagt Katrin Morales. Viele wissen noch immer nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen ist.
Solidarität in einer Stunde größter Not
Am Dienstag besuchte Katrin Morales das zentrale Hilfs- und Sammelzentrum am Colegio San Ignacio in Caracas: „Dort wird deutlich, mit wie viel Solidarität und Einsatzbereitschaft die Jesuiten und zahlreiche Freiwillige den Menschen in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen.“ Rund 160 Freiwillige sortieren, verpacken und versenden dort täglich Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente und viele weitere dringend benötigte Hilfsgüter.
Am nächsten Tag führte sie ihr Weg nach La Guaira, einer der am schwersten von den Erdbeben betroffenen Regionen Venezuelas. Vor den eingestürzten Häusern warten Familien darauf, dass ihre verstorbenen Angehörigen geborgen werden. Doch vielerorts fehlt es an technischer Ausrüstung für die Bergungsarbeiten. Manche Angehörige suchen deshalb selbst in den Trümmern nach ihren Vermissten. Zahlreiche Familien leben weiterhin in Zelten. Besonders erschütternd ist die Situation an einer Schule der jesuitischen Partner in der Region: Dort kamen 25 Kinder ums Leben, viele weitere Schülerinnen und Schüler werden noch vermisst.
Jesuitische Einrichtungen und Mitarbeitende schwer betroffen
Die Erdbeben haben auch zahlreiche Einrichtungen der Jesuiten getroffen. Mehrere Schulen und Universitätsgebäude weisen erhebliche Schäden an ihrer Bausubstanz auf. Fünf Einrichtungen sind ohne Wasserversorgung, zwei ohne Strom. In vielen Zentren ist zudem die Internetverbindung ausgefallen.
53 Mitarbeitende haben Schäden an ihren Häusern erlitten. Zehn Familien können ihre Wohnungen derzeit nicht mehr bewohnen, drei Mitarbeitende gelten weiterhin als vermisst. Gleichzeitig haben jesuitische Einrichtungen bereits 26 Einzelpersonen und vier Familien aufgenommen, die ihr Zuhause verloren haben oder nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können.
Besonders erschütternd ist die Situation an der Jesuitenschule Jesús Obrero in Caracas. Zwei Lehrkräfte, vier Schülerinnen und Schüler sowie sieben Angehörige der Schulgemeinschaft kamen ums Leben. Zwei Lehrkräfte und drei Schülerinnen und Schüler werden weiterhin vermisst. Vier Lehrkräfte verloren durch den Einsturz ihrer Wohnhäuser ihr Zuhause. Auch die Schulgebäude wurden schwer beschädigt und können derzeit nicht sicher genutzt werden.
An einer weiteren Schule im betroffenen Gebiet sind 25 Schülerinnen und Schüler gestorben. Viele weitere werden noch vermisst.
Jesuitisches Netzwerk koordiniert die Nothilfe
Um die Versorgung in den besonders schwer betroffenen Regionen sicherzustellen, hat die venezolanische Jesuitenprovinz gemeinsam mit ihren Partnern zwei zentrale Hilfs- und Sammelstellen eingerichtet: an der jesuitischen Universidad Católica Andrés Bello, kurz UCAB, und am Colegio San Ignacio in Caracas.
Dort werden Sachspenden entgegengenommen, sortiert und an die am stärksten betroffenen Gemeinden weitergeleitet. Die Hilfsgüter erreichen Familien ebenso wie Gesundheitszentren, Notunterkünfte und weitere lokale Hilfsstellen.
Die Maßnahmen werden kontinuierlich ausgeweitet. Freiwillige des Sammelzentrums entwickelten eine digitale Plattform, um die Hilfe effizienter zu koordinieren. Betroffene können dort ihren konkreten Bedarf melden, während Spenderinnen und Spender gezielt Unterstützung anbieten können. Lagerbestände werden in Echtzeit erfasst und Hilfslieferungen automatisch koordiniert.
Durch die Zusammenarbeit mit einem lokalen Lieferdienst können Hilfsgüter schnell und nachvollziehbar zu den Menschen gebracht werden, die sie am dringendsten benötigen.
Hilfe für Vertriebene und besonders Schutzbedürftige
Auch lokale Partnerorganisationen wie der Jesuit Refugee Service, JRS, begleiten weiterhin Binnenvertriebene und Menschen in Notunterkünften. Gemeinsam mit der Caritas Venezuela und dem Netzwerk des Sozialapostolats koordiniert der JRS die Verteilung von Hilfsgütern und bietet psychosoziale Unterstützung für besonders schutzbedürftige Menschen an.
Zwischen dem 26. Juni und dem 3. Juli transportierte die UCAB gemeinsam mit der Caritas mehrere Tonnen Kleidung, Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel in die besonders schwer betroffenen Gemeinden von La Guaira.
Darüber hinaus sind rund 80 Mitglieder der UCAB-Notfallbrigade in Caracas im Einsatz. Sie informieren die Bevölkerung über Erste Hilfe, Evakuierungsmaßnahmen und den sicheren Umgang mit den Folgen der Erdbeben.
Auch das Bildungsnetzwerk Fe y Alegría hat seine Hilfsmaßnahmen weiter ausgebaut. Die Schule in Caraballeda dient derzeit als Notunterkunft für Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten.
Doch der Bedarf bleibt enorm. Es fehlt an sicheren Unterkünften, Trinkwasser, Lebensmitteln, medizinischer Versorgung sowie an technischem Gerät und Ausrüstung für die Bergung. Während die Helferinnen und Helfer unter schwierigsten Bedingungen im Einsatz sind, warten viele Familien weiterhin vor den Trümmern ihrer Häuser auf Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen.
Ihre Spende hilft!
Die Partner von jesuitenweltweit leisten vor Ort dringend benötigte Nothilfe. Sie versorgen betroffene Familien mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sicheren Unterkünften. Zudem ermöglichen sie psychosoziale Unterstützung und Hilfe für besonders gefährdete Menschen.
Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, damit die Nothilfe weiter ausgebaut werden kann. Jede Unterstützung trägt dazu bei, Menschen in den betroffenen Gebieten schnell und verlässlich zu erreichen.




