P. Peter Balleis SJ.

 – JWL – Jesuit Worldwide Learning

Flüchtlinge und Benachteiligte lernen weltweit gemeinsam

Zugang zu Hochschulbildung für Flüchtlinge und Benachteiligte weltweit ermöglicht ein neues digitales Bildungsprogramm der Jesuiten in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich mit europäischem Regionalbüro in München. In Flüchtlingscamps und an weiteren Brennpunkten im Nahen und Mittleren Osten, Südostasien, den USA und Afrika bietet „Jesuit Worldwide Learning: Higher Education at the Margins“ (JWL) Geflüchteten und Benachteiligten mit Computerlernplätzen und Online-Kursen unter anderem die Möglichkeit, ein Diploma of Liberal Studies einer US-Universität zu erwerben. Das europäische Regionalbüro ist an der Hochschule für Philosophie an deren Institut für Gesellschaftspolitik angesiedelt.

„In Zeiten, in denen Menschen in Europa und anderswo neue Mauern errichten, müssen wir aktiv gegensteuern“, betont der Executive President von JWL, Peter Balleis SJ. „Schon jetzt studieren bei uns in multi-ethnischen und multi-religiösen Lerngruppen 348 Menschen aus 20 Nationen in 7 Ländern gemeinsam online mit dem Ziel, ein Diploma zu erwerben“, hebt Balleis hervor, darunter Männer und Frauen aus Flüchtlings-Camps in Kenia und Afghanistan ebenso wie Benachteiligte aus der New Yorker Bronx. „Mehr als 3000 weitere Menschen machen auch an weiteren Standorten aktuell Sprachkurse und nutzen berufsbildende Angebote. Wir wollen diese Zahlen noch deutlich steigern“, stellt er klar. So sollen bis Ende Oktober in Erbil und an drei weiteren Orten im Nordirak neue Lernzentren entstehen und eine bestehende Einrichtung im syrischen Aleppo sobald wie möglich wiedereröffnet werden.

Langfristiges Ziel: Studienprogramm mit europaweit anerkannten Bachelor-Abschlüssen

Das Regionalbüro in München treibt die akademische Vernetzung mit Institutionen in Europa voran und entwickelt Kursangebote zunächst zu den Themen Umweltbildung und Konfliktmediation, zu denen neben der Hochschule für Philosophie auch weitere Universitäten im In- und Ausland Inhalte beisteuern.

Die Hochschule für Philosophie will langfristig zudem ein Online-Studienprogramm mit einem europaweit anerkannten Bachelor-Abschluss schaffen sowie JWL-Studienorte auch in Deutschland einrichten. Wie Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie und Gründungsmitglied im Trägerverein von JWL für die Deutschen Provinz der Jesuiten, deutlich macht, fehlen hierzu aber noch die notwendigen Rahmenbedingungen. „Damit aus dieser Vision für Flüchtlinge und Marginalisierte in Bayern eine reale Chance wird, müssen die entsprechenden politischen Stellen mutig die richtigen Entscheidungen treffen“, gibt er zu bedenken.

JWL ist getragen von internationalen Organisationen, Institutionen und Unternehmen und hat seinen Hauptsitz in Genf, wo auch UNO, WHO und UNHCR angesiedelt sind. Das Projekt ist eine Weiterentwicklung von „JC:HEM“, der erfolgreichen Allianz US-amerikanischer Jesuiten-Universitäten, die seit 2010 in Zusammenarbeit mit dem internationalen Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) Studienprogramme für Flüchtlinge organisiert hat. JWL steht in der Bildungstradition des Jesuiten­ordens und richtet sich an Menschen jeder Kultur und Religion.

Drei Fragen an den Executive President von JWL, Peter Balleis SJ

Neuer Name, neue Strategien? Was unterscheidet JWL vom Vorgänger-Programm JC: HEM?

Peter Balleis: JC: HEM wurde 2012 durch zwei Jesuiten und einige Laien als Non-Profit-Organsiation in den USA gegründet. Was als jesu­itische Initiative – kein explizites Werk des Ordens – begann, hat sich schnell weiterentwickelt. Zunächst waren wir in neun Ländern tätig, bald wurden es 20. Das Schlüssel-Prinzip für JWL ist die Zusammenarbeit mit Partnern, die sich jetzt in einer Stiftung jesu­itischer US-Unis manifestiert. Ein entscheidender Schritt war auch der Umzug nach Genf, wo viele internationale Organisationen angesiedelt sind. Wir sind jetzt tatächlich ein Werk des Ordens, die Verantwortung liegt bei den drei deutschsprachigen Provinzen. Mit „JWL“ haben wir uns einen „Straight-forward-Namen“ gegeben, der zu unserer „Vorwärts-Strategie“ passt.

Was unterscheidet JWL von anderen Bildungsinitiativen für Krisenregionen, etwa „Mercy in Motion“, für das auch Sie einst Pate standen?

Bei JWL geht es in erster Linie nicht darum, Menschen für Jobs auszubilden, sondern tatsächlich um „Higher Education at the Margins“, also höhere Bildung an den sozialen Rändern dieser Welt. JWL bietet neben zertifizierten Sprachkursen und Weiterbildungsprogrammen Diploma of Liberal Arts, also Abschlüsse, die einem US-amerikanischen Grundstudium entsprechen. Wir wollen Führungskräfte ausbilden, die in ihren Herkunftsländern bleiben und dort Veränderungen herbeiführen. Wir haben gelernt: Pre-Conflict-Arbeit ist besser als Post-Conflict-Arbeit. Unser Grundsatz ist die ignitianische Pädagogik: Analyse – Reflektion – Handeln.

Wie finden die Studenten zu JWL?

JWL findet die Studenten. Ganz wichtig ist die Vernetzung vor Ort, ob in einem Flüchtlingslager im Nahen Osten oder einem Ghetto in der New Yorker Bronx. Unsere Partner kennen die Zielgruppe und sprechen potenzielle Kandidaten an. Was oft gerade Menschen mit Flucht-Hintergrund auszeichnet und geeignet macht, ist ihre Resilienz: Wer alles verloren hat, zeigt mitunter eine ganz andere Bereitschaft durchzustarten. Und egal ob in Syrien oder in der Bronx: Es geht um mehr als zu lernen, Brot zu backen, es geht darum kritisches Denken zu erlernen.

Weitere Informationen auf den Seiten von "Jesuit Worldwide Learning"

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