– Erdbebenhilfe Venezuela
Ein Netzwerk der Hilfe
Nach den schweren Erdbeben vom 24. Juni 2026 haben die Jesuiten in Venezuela gemeinsam mit Freiwilligen und Partnerorganisationen mehr als 87.000 Menschen erreicht. Schulen wurden zu Sammelstellen, Fachleute begleiteten betroffene Familien. Jetzt geht es darum, den Wiederaufbau zu sichern und Kindern wieder einen verlässlichen Schulalltag zu ermöglichen.
Schon am Tag nach den Beben eröffnete die Universidad Católica Andrés Bello (UCAB) auf ihrem Campus ein Zentrum für Hilfsgüter. Studierende und Universitätsleitung organisierten die Annahme und Verteilung der Spenden gemeinsam. Auch das Colegio San Ignacio und das Centro Javier wurden zu Sammelstellen. Freiwillige nahmen Lebensmittel und andere Hilfsgüter entgegen, sortierten die Spenden und bereiteten sie für den Transport vor.
Die Jesuiten konnten dabei auf etwas zurückgreifen, das über viele Jahre gewachsen war: ihre Präsenz in den Gemeinden und das Vertrauen der Menschen. Das Bildungswerk Fe y Alegría, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS), soziale Einrichtungen und Pfarrgemeinden brachten ihre jeweiligen Erfahrungen ein. Unidos en la Misión, die Entwicklungs- und Spendenstelle der Jesuitenprovinz, koordinierte die gemeinsame Hilfe. Internationale jesuitische Netzwerke wie das Xavier Network unterstützten die Arbeit.
Viele der Helfenden waren selbst von der Katastrophe betroffen. Der Bericht der venezolanischen Jesuitenprovinz nennt 42 betroffene Standorte ihrer Einrichtungen, darunter 34 von Fe y Alegría. Die Teams mussten Hilfe organisieren, während sie in ihren eigenen Gemeinschaften um Verstorbene trauerten und Menschen nach dem Verlust ihres Zuhauses begleiteten.
Hilfsgüter gezielt verteilen
In ihrer Bilanz der unmittelbaren Nothilfe berichten die Jesuiten von mehr als 645 Tonnen mobilisierten Hilfsgütern. Über 1.000 Freiwillige wirkten an der Hilfe mit. Entscheidend war dabei, die Unterstützung nach dem Bedarf vor Ort zu verteilen.
Die Teams erfassten eingehende Spenden und prüften Hilfsanfragen, bevor sie Lieferungen zusammenstellten. Digitale Angebote verbanden Menschen, die Hilfe brauchten, mit Menschen, die etwas geben konnten. So ließ sich nachverfolgen, wohin die Hilfsgüter gelangten. Das sollte Doppelarbeit vermeiden und dafür sorgen, dass knappe Mittel dort ankamen, wo sie dringend benötigt wurden.
Kindern wieder Sicherheit geben
Für Fe y Alegría stand neben der Versorgung der Familien auch der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Das Bildungswerk schuf sichere Räume, bot emotionale und spirituelle Begleitung an und begann, seine Bildungszentren schrittweise wiederherzustellen. Die Schule wurde damit zu einem Ort, an dem Kinder Unterstützung fanden und wieder ein Stück Alltag erleben konnten.
Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst brachte seine Erfahrung im Schutz besonders gefährdeter Menschen ein. In La Guaira, Miranda und Caracas bot er psychosoziale Unterstützung und rechtliche Orientierung an. Helfende wurden in psychologischer Erster Hilfe geschult. Wo weitere Unterstützung nötig war, vermittelte der JRS die Betroffenen an geeignete Anlaufstellen.
Auch die Gemeinden selbst bestimmten mit, welche Hilfe gebraucht wurde. Im Stadtviertel Catuche hörte das Sozialzentrum Gumilla Nachbarinnen, Nachbarn und lokalen Verantwortlichen zu und erfasste die Folgen der Beben. In einer Gemeindeversammlung wurden gemeinsame Schritte vereinbart. Die Menschen sollten an den Entscheidungen beteiligt sein, die ihren Alltag und den Wiederaufbau betreffen.
Der Wiederaufbau braucht Ausdauer
Aus den ersten Hilfsaktionen entstand ein gemeinsamer Plan, der Nothilfe und langfristigen Wiederaufbau verbindet. Er ist auf 24 Monate angelegt. Vorgesehen sind die Wiederherstellung von Unterrichtsräumen, gesundheitliche Versorgung und die Begleitung von Menschen, die Angehörige verloren haben.
Berufliche Bildungsmaßnahmen und Unterstützung für kleine Unternehmen sollen Familien helfen, wieder ein Einkommen zu erzielen. Auch rechtliche Beratung und die Stärkung der lokalen Einrichtungen gehören zum Plan.
Dabei soll der Wiederaufbau die Gemeinden besser auf künftige Krisen vorbereiten. Gebäude sollen widerstandsfähiger werden; zugleich brauchen die Menschen vor Ort Wissen und Möglichkeiten, um bei einer erneuten Katastrophe handeln zu können.
„Die Phase der unmittelbaren Nothilfe endet, aber unser Auftrag geht weiter“, schreibt P. Txuo Rodríguez Villarroel SJ im Bericht. Er koordiniert die Erdbebenhilfe der venezolanischen Jesuitenprovinz. Für die Familien bedeutet das, dass die Begleitung auch nach den ersten Hilfslieferungen weitergeht. Schulen müssen wieder nutzbar werden, Menschen brauchen eine Lebensgrundlage und Unterstützung im Umgang mit ihren Verlusten.
Ihre Spende hilft unseren Partnern in Venezuela, betroffene Familien weiter zu begleiten und den Wiederaufbau voranzubringen.
Venezuela nach dem Erdbeben: Wie geht es weiter? (14.10.)
Wie geht es den Menschen in Venezuela nach den schweren Erdbeben vom Juni? Was hat die Hilfe unserer Spenderinnen und Spender bewirkt – und was braucht es jetzt, damit die Überlebenden wieder Zuversicht gewinnen? jesuitenweltweit Deutschland und Österreich laden Sie herzlich zu einem Online-Abend mit Katrin Morales, Geschäftsführerin von jesuitenweltweit Österreich, und P. Alfredo Infante SJ, Provinzial der Jesuiten in Venezuela, ein.
Katrin Morales berichtet auf Deutsch und übersetzt die spanischsprachigen Beiträge von P. Alfredo Infante SJ ins Deutsche. Wir freuen uns auf Ihr Interesse und Ihre Fragen!
- Mittwoch, 14. Oktober 2026, 19.30 Uhr
- Per Zoom-Meeting teilnehmen: https://us06web.zoom.us/j/82556311344?pwd=KAuyhT5uc0zjXpYX53U6Tdzm9YT1vw.1



