– Papstreise nach Afrika

Beistand für eine gequälte Nation

Im Rahmen seiner Afrikareise wird Papst Franziskus am 29. und 30. November 2015 auch in der Zentralafrikanischen Republik erwartet. Die Lage in dem Bürgerkriegsland ist äußerst angespannt. Wir sprachen mit Esther Kurz, Landesdirektorin des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes JRS.

Mehr als vierzig Tote und Hunderte Verletzte – so lautete die schreckliche Bilanz der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die Ende September und Anfang Oktober die Hauptstadt Bangui erschütterten. Erzbischof Dieudonné Nzapalainga sprach von einer „Stadt der Toten“. Man habe den Eindruck, mitten im Krieg zu stehen, beschrieb er die Lage im Gespräch mit Radio Vatikan. „Ich bin herumgefahren, um Flüchtlinge aufzunehmen und jene zu besuchen, die alles verloren haben.“ Seit fast zwei Jahren halten rivalisierende Milizen, offenbar mit Unter­stützung aus dem benachbarten Ausland, das Land in Atem. Nach einem Putsch und der Vorherrschaft islamischer Séléka-Rebellen hatte sich 2013 als Gegenkraft die christliche Anti-Balaka-Miliz gebildet, was eine neue Spirale der Gewalt auslöste. Der Konflikt zwischen den verfeindeten Kämpfern soll bereits mindestens 5.000 Menschen das Leben gekostet haben. Hunderttausende wurden vertrieben. Die seit 2014 im Land stationierte UNO-Friedenstruppe hat zwar vorübergehend für ein wenig Stabilität gesorgt, die jüngsten Unruhen konnten die Blauhelme allerdings nicht verhindern. Auslöser war der Tod eines muslimischen Mannes, dessen Leichnam in der Nähe einer Moschee zurück­gelassen worden war. Aufgehetzte Muslime stürmten daraufhin aus Rache ein christliches Viertel in Bangui. Die Angreifer seien mit Granaten, automatischen Waffen und Macheten gegen die Bewohner vorgegangen, berichteten Augenzeugen. Es war der heftigste Gewaltausbruch, den die Stadt in diesem Jahr erlebte.

Tägliche Schießereien

Die Situation bleibt äußerst angespannt, wie Esther Kurz, Landesdirektorin des Jesuiten- Flücht­lings­dienstes JRS, aus Zentralafrika berichtet. „Woher der ganze Hass, die hohe Gewaltbereitschaft rührt, ist mir noch immer ein Rätsel“, sagt sie. „Täglich kommt es in Banguis Stadtvierteln zu Schießereien, mal hier und mal dort. Das macht uns allen zu schaffen. Es sind einfach zu viele Waffen im Umlauf.“ Gemeinsame Appelle der christlichen und muslimischen Religionsführer des Landes verhallten bisher ungehört. Es ist, als sitze das ganze Land auf einem Pulverfass. Schon früher habe es Konflikte zwischen unterschiedlichen Volksgruppen gegeben, sagt Esther Kurz. Doch dies sei längst in den Hintergrund geraten. „Jetzt dreht sich alles um religiöse Spannungen, Diese werden künstlich entfacht, durch Provokationen geschürt. Dadurch schaukeln sich die Konflikte hoch. Eigentlich ergibt das gar keinen Sinn, denn religiöse Gegensätze haben hier keine Tradition. Christen und Muslime lebten bisher immer friedlich zusammen.“

Schutz hinter Kirchenmauern

Wie Esther Kurz berichtet, bestehen auch auf höchster Ebene gute Kontakte. So habe der weithin angesehene Erzbischof von Bangui bei den zurück­liegenden Unruhen Imame eingeladen, zu ihrer Sicherheit in die katholische Kathedrale zu kommen. Dies ist kein Einzelfall: „Menschen jeder Konfession suchen hinter den Mauern der Kirche, der Pfarreien und der Klöster Schutz“, so Esther Kurz. Umgekehrt stünden Christen unter dem Schutz der überwiegend moderaten Muslime. Auch in mehrheitlich muslimischen Stadtvierteln helfe man sich gegenseitig. Die Einrichtungen des JRS stehen Angehörigen aller Konfessionen offen – auch Muslimen. „Wir setzen vor allem auf Bildungsangebote für die zahlreichen Flüchtlinge – vom Kindergarten über die Grund- und Sekundarschule bis hin zu Alphabetisierungsprogrammen für Frauen“, erläutert Esther Kurz. „Insgesamt 4.600 Kinder und Erwachsene werden von uns betreut.“ Zu den zentralen Aufgaben des JRS gehöre auch die Anwaltschaft für diskriminierte Flüchtlinge. „Wir wollen zur Konfliktbewältigung beitragen und organisieren Begegnungsmöglichkeiten, bei denen die Menschen einander zuhören und sich austauschen können.“ Der Papstbesuch könne dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen zu stabilisieren und das ehedem friedliche Zusammenleben zu fördern, ist Esther Kurz überzeugt. Die Bevölkerung setze große Erwartungen in Franziskus. Geplant sei nicht nur eine Begegnung des Papstes mit Flüchtlingen und eine Messfeier im Fußballstadion von Bangui, sondern auch ein Besuch in der Hauptmoschee des Landes. „Die Menschen hier werden ihn freundlich empfangen, nicht nur die Christen.“

Appell des Papstes

Vor seiner ersten Reise nach Afrika zeigte sich Papst Franziskus besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. „Ich appelliere an die beteiligten Seiten, damit dem Kreislauf der Gewalt ein Ende gesetzt wird“, sagte er jüngst beim Angelusgebet auf dem Petersplatz im Vatikan. Nur wenige Tage zuvor waren in Bangui zwei junge Muslime von Christen auf offener Straße getötet worden; zwei Christen, die ihnen zur Hilfe eilten, wurden laut Medienberichten ebenfalls umgebracht. Zahlreiche Bewohner christlicher Quartiere flohen daraufhin aus ihren Häusern.

Jahr der Barmherzigkeit

Als Zeichen der besonderen Nähe der ganzen Kirche zu dieser „gequälten Nation“ beabsichtige er, am 29. November die Heilige Tür der Kathedrale von Bangui zu öffnen, sagte der Papst. Die Zentralafrikanische Republik wird nach Besuchen in Kenia und Uganda die letzte Station seiner Afrikareise vom 25. bis 30. November 2015 sein. Papst Franziskus wird dort auch ein Flüchtlingslager besuchen, die muslimische Gemeinde in der Moschee von Koudoukou in Bangui treffen und durch die Öffnung der Heiligen Tür das von ihm ausgerufene „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ in Afrika vorzeitig eröffnen. Offiziell beginnt das heilige Jahr erst am 8. Dezember 2015.

Elmar zur Bonsen

Mehr Informationen:
Einen ausführlichen Artikel über die Arbeit des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) finden Sie in der Herbstausgabe unseres weltweit-Magazins: Artikel Zentralafrika

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Der JRS arbeitet seit 2008 in Zentralafrika und hat genau wie die leidende Bevölkerung viele Rückschläge verkraften müssen. Trotzdem ist für Pater Peter Balleis, den langjähirgen internationalen JRS-Direktor, klar: „Wir bleiben und wir fangen wieder von vorne an. Nur durch Bildung lässt sich der Teufelskreis von Gewalt und Perspektivlosigkeit durchbrechen. Wenn ich in ein Klassen­zimmer gehe, weiß ich, dass sich unsere Arbeit lohnt, denn in diesem Klassen­zimmer ist Leben und Zukunft. Solange die Flüchtlinge nicht aufgeben, geben wir auch nicht auf.“ Gemeinsam mit dem Bistum Bambari hat der JRS ein Bildungsprogramm gestartet, das mehr als 3.200 Schülerinnen und Schüler erreicht. Umgerechnet kostet es 125 Euro pro Kind, die Schulen wieder aufzubauen, zu erweitern, besser auszustatten und die Lehrer zu schulen.

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