JWL: Hochschulbildung in Flüchtlingslagern und Krisenregionen weltweit

Hochwertige Bildung in Krisengebieten und Flüchtlingslagern ist Ziel des weltweiten Netzwerkes „Jesuit Worldwide Learning“ (JWL).

  • Vertriebene Menschen verbringen im Durchschnit 10 bis 15 Jahre in einem Flüchtlingslager. 90% junger Menschen auf der Flucht werden nie studieren können – obwohl Bildung ihr stärkster Schutzfaktor wäre. In Krisenregionen nimmt das einer ganzen Generation jede Perspektive, verhindert Entwicklung und schafft neue Konflikte und Fluchtursachen.
  • Seit über 15 Jahren macht das jesuitische Hochschulprogramm JWL für Zehntausende Absolventinnen und Absolventen einen Unterschied. Das Konzept fußt auf Online-Kursen, der gemeinsamen Arbeit in Lernzentren und weltweiter Vernetzung der Studierenden.
  • Vom Sprachkurs über eine Berufsausbildung bis zum Abschluss an einer renommierten Hochschule geben die Programme in 36 Ländern, von Afghanistan über den Nordirak bis Kenia, Perspektive, Selbstvertrauen und verhindern Fluchtursachen.

Multiplikatoren der Entwicklung

JWL wurde zu einer Erfolgsgeschichte für Zehntausende Absolventinnen und Absolventen. Das Blended Learning-Modell, kombiniert Arbeit in Lernzentren mit Online-Kursen und globaler Vernetzung, akkreditiert durch 21 renommierte Hochschulen und Institute weltweit, darunter Regis University (USA), Katholische Universität Eichstätt, Universität Erlangen-Nürnberg. Gründer und Geschäftsführender Präsident von JWL ist P. Peter Balleis SJ.

Zielgruppe:

  • Jugendliche und junge Erwachsene weltweit ohne Zugang zu hochwertiger Bildung: Geflüchtete, Menschen in Krisengebieten, sozial marginalisierte Gruppen und isolierte Gemeinschaften. Hauptaugenmerk: Förderung von Mädchen und Frauen.
  • Im Jahr 2024 haben weltweit 13.286 Studierende an den Programmen von Jesuit Worldwide Learning teilgenommen. Diese Angebote wurden an 96 Community Learning Centers in 36 Ländern durchgeführt. Über 55% der Teilnehmerinnen waren weiblich, und die Mehrheit der Studierenden war jünger als 25 Jahre.

So hilft Ihre Spende:

  • 240 Euro finanzieren ein Stipendium für zwei Jahre Englischkurs
  • 690 Euro finanzieren eine sechsmonatige Berufsausbildung
  • 2.700 Euro tragen ein Stipendium für ein einjähriges Grundstudium
  • 3.000 Euro finanzieren ein Jahr im BA-Studiengang Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung in Kenia

Das Kakuma Refugee Camp liegt im abgelegenen Nordwesten Kenias und besteht seit 1992. Kakuma gehört zu den größten Flüchtlingslagern der Welt und beherbergt heute rund 300.000 Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung in Ländern wie Südsudan, Somalia, DR Kongo, Äthiopien und weiteren geflohen sind. Viele Menschen verbringen Jahre oder Jahrzehnte im Lager. Der Alltag ist geprägt von Hitze, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und begrenztem Zugang zu Arbeit. Consolée, eine junge Frau aus Ruanda, lebt seit 20 Jahren in Kakuma: „Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie ihren Abfall entsorgen sollen, und deshalb brechen häufig Krankheiten aus“, berichtet sie, doch in ihrem Bachelor-Studiengang in Nachhaltiger Entwicklung ist das Thema Abfallmanagement wichtiger Teil des Curriculums. Der Lehrstoff in Land­wirt­schaft vermittelt ihr Fähigkeiten für die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln - und dadurch unabhängiger zu werden. Ein Beispiel für diese Un­ab­hängig­keit ist das „Kakuma Social Agri-Venture“, gegründet von den JWL-Absolventen Dominic und Nilwa: „Wir liefern Gemüse und Obst zu erschwinglichen Preisen, verbessern so die wirtschaftliche Lage der anderen.“

Hüterinnen des Amazonas

Die Waorani leben in Dikaro im Yasuní-Nationalpark, einer der biologisch vielfältigsten Regionen der Erde. Trotz ihrer tiefen Verbundenheit mit dem Wald sind sie und ihr Territorium durch Ölförderung, Abholzung und Extraktion von Rohstoffen bedroht. Ökosystem, Kultur und Lebensweise der Waorani sind in Gefahr. 

Junge indigene Waorani-Frauen stärken mit Bildungsprogrammen von Jesuit Worldwide Learning ihre Gemeinschaft und den Schutz des Regenwaldes. In einem anerkannten Kurzstudiengang in Ökotourismus erwerben sie Wissen, Selbstvertrauen und Führungskompetenzen, um Umwelt, Kultur und Territorium gegen Bedrohungen wie Abholzung und Rohstoffabbau zu verteidigen.

Das Gelernte setzen sie praktisch um, etwa beim Aufbau einer Ökolodge, die nachhaltige Ein­kommens­quellen schafft und Identität bewahrt. Absolventin Laura bringt es auf den Punkt: „Als Frauengruppe wollen wir unser Land und unsere Kultur erhalten und Wege zur wirtschaftlichen Entwicklung finden, die keinen Schaden anrichtet.“

Nordirak: von Kriegsopfern zu Friedensbringerinnen

Vor zehn Jahren sind Bafreen und Hiz rat vor dem Völkermord durch den „Islamischen Staat (IS)“ geflohen. Seitdem leben sie mit Zehntausenden anderen Menschen jesidischen Glaubens im Khanke-Camp im Nordirak. „Ich durchlebte Depressionen und verlor den Sinn für Frieden in meinem Leben“, erinnert sich Hizrat, Überlebende des Massakers: „Genau den wollte ich wiederfinden, so beschloss ich, mich in den Studiengang ,Peace Leader‘ bei JWL einzuschreiben.“ Hizrat und Bafreen haben während des sechsmonatigen Programms eine Transformation durchlebt: von Kriegsopfern zu Friedensbringerinnen für ihre Gemeinschaft. Hizrat und Bafreen sind zu Vorbildern geworden. Anstatt nach ihrem Abschluss nach Europa aufzubrechen, ist Hizrat jetzt die Koordinatorin des JWL-Community-Lernzentrums im Khanke-Camp. Dort waren 2025 60 jesidische Jugendliche im Englischprogramm eingeschrieben, 18 weitere qualifizierten sich im Programm „Interreligiöse Zusammenarbeit für Frieden“ oder lassen sich als Lehrkräfte ausbilden. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer nehmen auch regelmäßig an Online-Kursen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt teil. Einige jesidische Studierende streben einen Bachelor in Nachhaltiger Entwicklung an der Xavier University in Bhubaneswar, Indien, an.

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