– Aktion

Von Freiburg nach Isfahan

Eine Orientreise der besonderen Art: 6.698 Kilometer für syrische Flüchtlingskinder. Andreas Blum berichtet von seiner Fahrradtour nach Isfahan.

Am 28. März 2015 machte sich Andreas Blum mit seinem Fahrrad auf den Weg von Freiburg im Breisgau nach Isfahan im Iran. „Insgesamt werde ich zwischen 8 und 14 Staaten durchfahren, je nach Zeitdruck, Wetter, Zustand der Straßen, Visa bzw. Laune der Grenzbeamten und der politischen Lage. Es geht mir nicht darum, möglichst zügig die Strecke abzufahren, sondern Zeit zu haben für interessante Orte, für Natur, Geschichte, Kultur und vor allem für die Menschen. Voraussichtlich werde ich mehr als 7.000 km radeln und knapp 4 Monate unterwegs sein“, erklärt Andreas Blum vor seiner Reise. Seine Eindrücke und Erlebnisse teilt er in seinem Reiserückblick mit uns:

Schwieriger Start und große Gastfreundschaft

Von meiner bisher längsten und weitesten Radreise von Freiburg nach Isfahan im Iran bin ich gesund und um viele Erfahrungen reicher wieder zurück­gekehrt. Dass diese Tour über weite Strecken eher einer Tortur gleich kam, lag zum einen am kalten und nassen Wetter auf den ersten 3.500 Kilometern, zum anderen am nahezu täglichen Gegenwind, der meinen Spaß am Radfahren über Wochen hinweg ordentlich reduzierte. Häufige Defekte an meinem Stahlross, das mich in früheren Jahren sicher nach Barcelona, Jerusalem, St. Petersburg und den gesamten Rhein entlang bis an die Nordsee getragen hatte, zwangen mich zu ungeplanten mehrtägigen Pausen wegen fehlender Ersatzteile. Erst ab Erreichen der iranischen Grenze ging es relativ problemlos voran – abgesehen von den 35-40 Grad Hitze im Schatten.

Schon in den ersten Tagen machte das Sturmtief Niklas einen Strich durch meine Tourenplanung – so musste ich in Österreich wegen des Wintereinbruchs auf drei Teilstrecken auch Zug und Bus nehmen, da ich im Schnee kaum voran kam. Die Widrigkeiten hatten aber auch eine gute Seite: so traf ich immer wieder Menschen, die mir weiterhalfen, mich zu sich nach Hause einluden oder Kontakte herstellten, wo ich übernachten konnte. Insbesondere in Österreich, Rumänien, der Ukraine und im Iran erfuhr ich großzügige Gastfreundschaft. Mein Zelt habe ich nie gebraucht – ich schenkte es deshalb in der Osttürkei Kindern.

Istanbul habe ich in guter und schlechter Erinnerung: So lud mich bei meiner Ankunft spätabends auf der Autobahn am Stadtrand ein junges Paar samt Rad in ihr Auto und brachte mich sicher zu meiner Unterkunft. Zwei Tage später allerdings wurde ich an einem Geldautomaten von „Tirnakcis“ (Trickdiebe) bestohlen.

5.475 Euro für syrische Flüchtlingskinder

Meine Reise habe ich mit einem Spendenaufruf für eine Schule für syrische Flüchtlingskinder in Ankara verbunden, die der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) eingerichtet hat. Einen Tag bevor ich dort ankam, wurde diese vorübergehend geschlossen, weil es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen war. Nach den Sommerferien sollte es mit einem modifizierten Konzept weitergehen. Dazu kam es nicht – obwohl die Schule erfolgreich gearbeitet hatte und von Eltern und Kindern gut angenommen wurde. Einflussreiche türkische Kreise verhinderten die Weiterarbeit und verdrängten den JRS. Die syrischen Kinder sind nun wieder ohne Schule – das trifft für 68% der Flüchtlingskinder zu.

Erfreulicherweise wurden bis Mitte September 2015 über meinen Spendenaufruf 5.475 Euro gespendet. Da das Ankara-Projekt momentan nicht weitergeführt werden kann, der JRS aber seit Jahren im Libanon erfolgreich Bildungsarbeit mit syrischen Kindern macht, sollen die Spenden dem Schulprojekt in Kfar Zabad in der Bekaa-Ebene zugute kommen, wo seit 2013 220 Kinder unterrichtet und mit dem Nötigsten versorgt werden. Es kann und soll also gerne weiter gespendet werden (Kontoangaben unten).

Zuweilen hinderte mich auch die Bürokratie am Weiterkommen: das Visum für Aserbaidschan sollte ich in Graz abholen, doch musste ich fünf Tage warten, bis es kam. Und als ich dort an der Grenze ankam, wurde mir die Einreise verweigert, weil es nur noch sechs Stunden gültig war. An der iranischen Grenze bekam ich – entgegen meiner Informationen – kein Visum, so dass ich mit dem Bus hunderte Kilometer zurück nach Erzurum fahren musste, wo ich dann nach zwei Wochen das ersehnte Papier bekam.

Das Fazit der Reise: große Dankbarkeit

Mehr als entschädigt für den Frust wurde ich durch eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang in Kappadokien, die wunderschönen Landschaften Anatoliens, die antiken Stätten auf dem Berg Nemrut (2150 m), die Fahrt um den Ararat und die vielen Begegnungen im Iran, in dem ich dann auch vier Wochen blieb. In Isfahan, Freiburgs Partnerstadt, habe ich Touren durch das armenische und das jüdische Viertel gemacht, welche mir die Vielfalt des Landes deutlich gemacht haben. Dazu kam ein kurzer Beitrag über meine Reise in den Abendnachrichten des Lokalfernsehens. Und da das Land reich ist an Sehenswürdigkeiten, ließ ich mir Zeit, diese zu erkunden (z.B. Yazd, Persepolis, Shiraz). Die Verständigung war nun auch wieder leichter als in der Türkei, weil viele Iraner gut Englisch können.

Das Interesse an mir als Radreisenden war an den meisten Orten so groß wie die Hilfsbereitschaft, die ich durch zahlreiche spontane Geschenke an Wasser bei der großen Hitze sowie Einladungen zu Übernachtungen erlebt hat. Wenn man so viel Entgegenkommen, Offenheit, Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft genießen durfte, bleibt als Fazit dieser Reise nur große Dankbarkeit.

Wir danken Andreas Blum für sein Engagement und freuen uns, wenn Sie seine Aktion für syrische Flüchtlingskinder unterstützen:

Jesuitenmission
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Konto 5115582 • BLZ 75090300
IBAN:
DE61750903000005115582
SWIFT-BIC:
GENODEF1M05

Stichwort: X35622 Andreas Blum

Weitere Informationen zur Reise finden Sie bei Spendenaktionen und im www.reise-nach-jerusalem.org Reise-Tagebuch von Andreas Blum.

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