Für Bildung ist ihnen kein Weg zu weit: Junge Frauen auf dem Weg in ein JWL-Lernzentrum in Daikundi.

 – Afghanistan

Freiheit durch Bildung

Knapp ein Jahr nach ihrer Machtübernahme haben die islamistischen Taliban ihre Herrschaft über Afghanistan zementiert. Doch auch sie wissen: Es gibt kein Zurück in die Neunzigerjahre. Entgegen einer offiziellen Absage an Bildung für Frauen und Mädchen studieren in zehn Zentren des Bildungswerks „Jesuit Worldwide Learning“ 2.800 junge Menschen – 65 Prozent von ihnen sind weiblich!

Nach der zweiten Machtübernahme der Taliban im August 2021 hat sich die allgemeine Lebenssituation für viele Frauen und Mädchen in Afghanistan drastisch verschlechtert: Ihre Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt, die Kleidungsvorschriften verschärft. Schließlich verkündeten die Islamisten kurz nach der offiziellen Wiederöffnung der weiterführenden Schulen im März 2022, dass – entgegen einem früheren Beschluss – Mädchen von höherer Bildung ausgeschlossen würden.

„15 Jahre Demokratie haben das Land verändert“

Aber: Ebenso überraschend sollten die Taliban auf lokaler Ebene diese Entscheidung schnell wieder  revidieren. In Khidir etwa, einem Bezirk in der Provinz Daikundi, wandten sich nur eine Woche nach der Machtübernahme Studierende des jesu­itischen Bildungswerks Jesuit Worldwide Learning (JWL) – Männer und Frauen – direkt an die zuständigen Behörden und bekamen die Erlaubnis, ihr Lernzentrum samt Computern und Internet wieder aufzumachen. „Die Taliban wissen, dass es kein Zurück in die Neunzigerjahre gibt“, berichtet Orville De Silva SJ bei einem Besuch bei jesuitenweltweit in Nürnberg, „15 Jahre Demokratie und sozialer Fortschritt haben das Land und seine Gesellschaft verändert“. Der indische Jesuit koordiniert die JWL-Programme in Afghanistan und hat – den zahlreichen afghanischen Negativ-Schlagzeilen zum Trotz – gute Nachrichten. So konnten die JWL-Teams nicht nur alle bestehenden JWL-Lernzentren nach einer kurzen Unterbrechung wiedereröffnen, sondern ihre Zahl sogar um vier neue Standorte auf zehn erweitern: „Nach dem Rückzug des Jesuiten-Flücht­lings­diensts (JRS) aus dem Land konnten wir die JRS-Zentren übernehmen und weiterführen."

Studierende unterrichten in ihren Heimatdörfern

Insgesamt lernen in den Einrichtungen von JWL jetzt 2.800 junge Menschen – 65 Prozent von ihnen sind weiblich! Die meisten absolvieren das Global-English-Language-Programm, andere Berufsschulkurse, in akademischen Studiengängen werden künftige Lehrer:innen ausgebildet, oder, im Bachelor-Studiengang „Leadership“, die politischen und gesellschaftlichen Verantwortlichen von morgen. Über das „Each One Teaches Someone“-Programm (EOTS) werden aktuelle und ehemalige JWL-Studierenden selbst zu Lehrenden und bringen 2.000 Kindern in ihren Heimatdörfern Englisch bei.

Nicht überall in Land sind JWL-Lernzentren denkbar, räumt Pater Orville ein: „Die meisten unserer Studierenden zum Volk der Hazara“ erklärt er. Im Gegensatz zu den sunnitischen Paschtunen, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, sind die Hazara, die etwa 30 Prozent der Afghaninnen ausmachen, schiitische Muslime. „Die meisten von ihnen stehen Bildung für Frauen und Mädchen offener gegenüber“, so Pater Orville. Obschon die Taliban in die Hazara-Regionen paschtunische Verwalter entsandt haben, begünstigt die Topografie des Landes mit seinen vielen unwegsamen Tälern die relative Freiheit der Hazara-Frauen.

Trotz der moderaten Fortschritte im Bildungswesen hat sich nach Beendigung des 20-jährigen NATO-Einsatzes und der Machtübernahme der Taliban die humanitäre Lage des Landes enorm verschlechtert. Mehr als die Hälfte der Menschen ist nach UN-Schätzungen von extremem Hunger bedroht. Bald könnten 97 Prozent der Bevölkerung arm sein.

JWL: Bildung in Krisenregionen weltweit

Jesuit Worldwide Learning (JWL) ermöglicht es Studierenden in Krisenregionen und Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt, Englisch zu lernen und dann in ein anderes Studium oder eine berufliche Ausbildung einzusteigen. Über sein Mischmodell aus Online-Lernen und Präsenzzeiten in den Lernzentren formt JWL somit eine globale Gemeinschaft von Lernenden im virtuellen Hörsaal.

JWL ist getragen von internationalen Organisationen, Institutionen und Unternehmen und hat seinen Hauptsitz in Genf, wo auch UNO, WHO und UNHCR angesiedelt sind. JWL steht in der Bildungstradition des Jesuiten­ordens und richtet sich an Menschen jeder Kultur und Religion.

JWL arbeitet mit einer Allianz starker Kooperationspartner zusammen, um Benachteiligte und Menschen in Krisengebieten zu erreichen. Diese Partner betreuen die Studierenden vor Ort, geben ihr Wissen in Online-Kursen weiter oder stellen die technische Infrastruktur zur Verfügung. Die akademische Qualität des Programms gewährleisten Jesuiten-Universitäten auf der ganzen Welt.

Bildung für Afghanistan

Afghanistans Jugend will sich nicht beugen: Nach Verhandlungen mit den Taliban können JWL-Studierende ihre Kurse fortsetzen – über die Hälfte von ihnen sind Frauen.

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