Zur Entlassung lassen die Schüler Luftballons steigen.

 – Projekt

Jesuitenschule in Tomsk

Pater Stephan Lipke ist 2006 in den Jesuiten­orden eingetreten und arbeitet seit 2012 als Lehrer und Seelsorger im sibirischen Tomsk. Er berichtet über das Leben und den Alltag in der Schule. Acht Uhr morgens in Tomsk, Sibirien. Allmählich versammeln sich die Schüler zum Morgengebet und dann zum Unterricht im Katholischen Gymnasium. Dazu laufen sie an der kleinen katholischen Pfarrkirche aus dem Jahr 1833 vorbei. Polnische Jesuiten waren die ersten Seelsorger hier in Tomsk, von 1816 bis zu ihrer Vertreibung aus dem russischen Reich 1820. Jetzt, im Frühjahr, ist es angenehm hier, wo es grün und sonnig ist und man allmählich anfangen kann, von den Sommerferien zu träumen. Anders sieht das im Winter aus: bei -40° C, Schnee und Dunkelheit kann der Schulweg ganz schön hart werden. Ein „Wunder“ der nachsowjetischen Ära
Unsere Schule ist die einzige katholische Schule in ganz Russland, in der Schüler aller Klassen, von der ersten bis zur elften, im Alter von 7 bis 18 Jahren, lernen. Wie mein amerikanischer Mitbruder, Pater Michael Desjardins, betont, ist sie wohl eines der „Wunder“ der nachsowjetischen Ära. Sie wurde 1993 von Pfarrangehörigen gegründet. Der Unterricht fand zuerst mal in der Sakristei, mal in einem anderen Winkel der Kirche statt, später fand die Schule eine vorläufige Bleibe in dem Gebäude, wo die Mutter-Teresa-Schwestern sich um Obdachlose kümmern. Danach diente das Pfarrhaus als vorläufige Schule, und nun, seit 2012, gibt es dank tatkräftiger Hilfe v. a. aus Deutschland ein „richtiges“ Schulgebäude. Seit etwa zehn Jahren haben Bischof und Pfarrei uns Jesuiten gebeten, die Verantwortung für die Schule zu übernehmen, und seit September 2014 liegt dieser Dienst nun in unserer Hand. Zu dritt tragen wir Verantwortung für Schule und Pfarre: Michael Desjardins aus den USA ist unser Superior, der russische Scholastiker Michail Tkalitsch unterrichtet Informatik und leitet die Pfarrjugend, und mir ist die Verantwortung für beide Apostolate, Schule und Pfarrei, anvertraut. Der Tag beginnt mit einem schlichten Morgengebet
Um 8.20 Uhr, wenn alle 130 Schüler zusammengekommen sind, beginnt ein schlichtes Morgengebet. Es besteht aus dem „Vater unser“, dem „Gegrüßet seist du Maria“ und einem Gebet zum Schutzengel. Dabei schließen wir diejenigen mit ein, die Geburtstag haben, oder wir beten für die Menschen, die in Not sind. Schüler und Lehrer, die nicht mitbeten möchten, können einfach nur dabei sein und still und respektvoll zuhören. Nach dem Morgengebet kommen die Ansagen. Elena Schajmulowna, Biologielehrerin und verantwortlich für außerunterrichtliche Aktivitäten, verkündet z. B., wer erfolgreich an einer „Olympiade“, einem Schülerwettbewerb teilgenommen hat. Das tun die Schüler gerne, es hilft ihnen, sich zu messen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Elena Schajmulowna (so redet man Lehrer an, mit Vor- und Vatersnamen) ist keine Katholikin, und auch ihre orthodoxe Frömmigkeit besteht im Wesentlichen darin, von Zeit zu Zeit Kerzen anzuzünden, aber sie ist eine sehr engagierte und hochmotivierte Lehrerin, die ihre Schüler und Schülerinnen hervorragend kennt. Gemeinsame Mahlzeiten
Dann, um 8.30 Uhr, fängt der Unterricht an. Die Jungen und Mädchen der Grundschule haben Unterricht bis ein Uhr, die kleinsten noch kürzer. Die Jugendlichen der letzten Klassen (9.-11.) haben v. a. in der Zeit der Prüfungsvorbereitung Unterricht bis 15.30 Uhr. Deshalb ist es natürlich auch unverzichtbar, dass sie gemeinsam frühstücken und Mittag essen, wer bis 17 Uhr bleibt, für den gibt es auch noch eine Zwischenmahlzeit um 15.30 Uhr. Im Krisenwinter 2014-2015 erwies es sich als unverzichtbar, mit Hilfe aus Deutschland den Schülerinnen und Schülern eine Extraration Vitamine in Form von Obst und Gemüse zukommen zu lassen, damit sie in Form bleiben. Alle kennen sich untereinander
Wenn ich nicht gerade Englischunterricht gebe (meine Klassen sind die 5. und 6.), dann nutze ich den Tag, um mit Schülern und Lehrern in Kontakt zu bleiben, aber auch mit verschiedenen Jesuitenschulen, mit unseren Partnern usw. Ein großer Vorteil unserer Schule ist, dass sie klein ist, dass wir alle einander kennen. Dennoch ist es eine große Herausforderung, junge Leute als „Menschen für andere“ (Pedro Arrupe) zu erziehen und dabei an einem Strang mit einem so bunt gemischten Kollegium wie bei uns zu ziehen. „Jedes einzelne Kind ist ein Individuum, eine Persönlichkeit“
Heute früh ist Sportunterricht für die 3. Klasse. Wie meistens ist der Sportunterricht draußen, auch bei Schnee, nur nicht wenn es wirklich kalt ist. Das Stadtparlament hat versprochen, unseren Sportplatz zu reparieren, aber bis jetzt müssen wir uns mit dem zufrieden geben, den unsere Pfarrangehörigen mit ihren eigenen bescheidenen Mitteln gebaut haben. Eine Lehrerin und die Direktorin erzählen
Marina Nikolajewna ist Russisch- und Literaturlehrerin. Heute hat sie u. a. im 7. Schuljahr Unterricht. Sie gehört zu den wenigen gläubigen Katholiken im Lehrerkollegium. „Natürlich sind unsere Jugendlichen normalerweise mit etwas anderen als Puschkin oder Tschechow beschäftigt“, räumt sie ein, „und trotzdem habe ich, scheint mir, einen Zugang zu ihnen gefunden.“ Und es stimmt: Ihre Liebe zur Literatur wirkt auf die Schülerinnen und Schüler ansteckend. Olga Viktorowna, die Direktorin, ist den ganzen Tag mit Gesprächen beschäftigt: Eltern, Lehrer, Schüler, aber auch die Stadtverwaltung. Olga Viktorowna, eine engagierte Katholikin, war unter den ersten Eltern, die ihre Kinder 1993 auf die neugegründete katholische Schule geschickt haben. „Worin sich unsere Schule wirklich von anderen unterscheidet“, so betont sie, „ist, dass die Kinder hier nicht Teil einer anonymen Masse sind, sondern Individuen, Persönlichkeiten.“ Ebenso wichtig ist ihr, dass das Katholische Gymnasium zugleich eine Schule ist, in der Glaube einen Platz hat, aber ebenso Toleranz und Offenheit. Eine Schule, die „einen Unterschied macht“
Tatsächlich sind nur etwa 20% der Schüler katholisch. Die meisten sind orthodox, praktizieren ihren Glauben aber nur gelegentlich. Immerhin ist aber auch der Sohn eines orthodoxen Priesters bei uns im 4. Schuljahr, und vor zwei Jahren hat die Tochter eines lutherischen Pastors ihren Abschluss gemacht. Es gibt auch muslimische oder religionslose Schülerinnen und Schüler. P. Desjardins versucht im Religionsunterricht Verständnis für die Heilige Schrift, für Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Konfessionen sowie für christliche Werte wie Nächstenliebe, Gerechtig­keit und Solidarität zu wecken. Nachmittagsangebote
Nach dem Unterricht gibt es Hausaufgabenbetreuung, Ausflüge in eine große Bibliothek, verschiedene AGs. Eine der beliebtesten ist die Basketball-AG, die immer wieder auch an Turnieren teilnimmt. Das ist unsere kleine Schule, das Katholische Gymnasium Tomsk. Manches ist nicht leicht, es gibt dieselben Probleme wie in Schulen überall auf der Welt, v. a. eine überbordende Bürokratie in Form von Anfragen verschiedener staatlicher Behörden, Ärger unter Schülern und Kollegen, wie immer und überall. Und dennoch ist es eine Schule, die „einen Unterschied macht“, in welcher der Einzelne etwas gilt und Solidarität geübt wird, in der Glaube und Toleranz vereinbart werden. Stephan Lipke SJ
Hinweis: Auf unserer Projektseite finden Sie weitere Informationen zur Schule in Tomsk. Über Ihre Unter­stützung der Schule freuen wir uns sehr. Mit 46 Euro im Monat sichern Sie z.B. die Schulgebühren für ein Kind.
Jesuitenmission • Spendenkonto 5 115 582 • BLZ 750 903 00 • Liga Bank
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