IGER: Bildung für „Marginados“

In Guatemala haben viele Menschen keinen Zugang zu Bildung, Kinderarbeit ist Normalität. Die Programme der Radioschule IGER bieten Jahr für Jahr Zehntausenden einen Ausweg.

Projekt X73100 IGER Radioschulen

Ort:
Guatemala

Partner:
Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica (IGER) / José María Andrés Vitoria SJ

Zielgruppe:

Benachteiligte Gemeinschaften landesweit, häufig in abgelegenen Regionen. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ist indigener Abstammung.

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Pro Jahr sind mittlerweile bis zu 40.000 Schülerinnen und Schüler in den Klassen von IGER eingeschrieben. Anfangs konnten sie Grundschul- und Mittelschul-Abschlüsse nachholen. Heute können sie auch das Abitur absolvieren und sogar Hochschuldiplome erlangen. IGER entwirft, druckt und verteilt die Lehrbücher. Texte, Übungsaufgaben und Radiosendungen der Schulen werden in der IGER-Zentrale in der Hauptstadt Guatemala City verfasst und produziert.

Bildung und Werte

Im Jahr 1979 hat der deutsche Jesuit Franz Tattenbach SJ in Guatemala das IGER („Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica“) gegründet, um „Marginados“, an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, Unterricht zu ermöglichen. Die Mehrheit ist indigener Abstammung, ohne Schulbildung, ohne Stimme, ohne Rechte, ohne Einkommen. IGER bringt die Schulen in ihre Dörfer: Von Montag bis Freitag vermittelt „El Maestro en Casa“ („Der Lehrer zu Hause“) über das Radio den Lernstoff. An den Wochenenden bearbeiten die Schülerinnen und Schüler in selbstorganisierten Gruppen den Stoff gemeinsam, meist mit der Unter­stützung durch Tutor:innen. Seit 1992 leitet José María Andrés Vitoria SJ die Radioschule.

„Die IGER-Lehrbücher finden mittlerweile Anklang bei etlichen Privatschulen und auch einigen staatlichen Schulen“, berichtet Andreas Walch vom deutschsprachigen IGER-Freundeskreis. Es gehe dabei auch „um den Auftrag zur Werteerziehung, Stärkung der familiären Integration und persönlichen Lebensverantwortung.“ Konkret werden Kinderrechte und die Prävention von Korruption, Gewalt und Zwangsmigration angesprochen. Aufklärungsprogramme informieren über Gesundheitsthemen und den Umgang mit Behörden, Kaffeebäuer:innen lernen die Grundlagen der Buchhaltung.

Immer weiter machen

Mein Vater starb, als ich sieben Jahre alt war, und meine Mutter begann zu arbeiten, so dass sie uns nur eine Schulausbildung bis zur sechsten Klasse der Grundschule ermöglichen konnte. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich auch angefangen zu arbeiten.

Dann fand ich heraus, dass es dieses Radio-Institut gibt, das gute Bildungschancen bietet, zu vergleichsweise günstigen Gebühren. Also begann ich, dort zu lernen, und konnte die Mittelschule abschließen. Inzwischen habe ich einen Master-Abschluss in Personalmanagement. Ich bin als Dozent an der Informatik-Fakultät der Universität Galileo in Guatemala City tätig. Ich denke, dass das IGER eine Möglichkeit bietet, sich selbst zu übertreffen. Damit meine ich, dass man immer motiviert wird weiterzumachen, auch wenn man nicht die Mittel oder die Zeit dafür hat. Ich musste mit zwölf Jahren angefangen, Geld zu verdienen, und indem IGER mit die Möglichkeit gab, zu lernen und nebenher weiterzuarbeiten, konnte ich mich tatsächlich selbst übertreffen.

Gustavo Cruz,
ehemaliger Schüler des IGER

Die Brücke zum Ziel

Ich komme aus dem Dorf Tule Elenco Comitancillo San Marcos und bin von der Abstammung her eine Mam. Wir sind eine indigene Bevölkerungsgruppe im Nordosten Guatemalas mit einer eigenen Sprache. Ich komme aus einer sehr armen Familie. Als ich klein war, trugen wir keine Schuhe und keine normale Kleidung, so wie ich sie jetzt trage.

Das Lernen hat mich als Kind immer sehr, sehr glücklich gemacht. Doch als ich die 6. Klasse erreicht hatte, konnte ich meine Schulbildung nicht fortsetzen. Denn für die Mittelschule hätte man in einen anderen Regierungsbezirk umziehen müssen, in meinem Fall nach Guatemala City. Dank IGER konnte ich aber in meinem Heimatdorf die Mittelschule abschließen. Danach habe ich Rechnungswesen studiert und konnte nach diesem Abschluss an der Universität einen weiteren in Betriebswirtschaftslehre erlangen.
Für mich ist das Lernen mit IGER ein sehr wichtiger Teil meines Lebens geworden, weil ich morgens zu Hause arbeiten konnte, abends meine Radiokurse hörte und nur sonntags zu meinem Orientierungskurs gehen musste, und das war eine sehr wichtige Brücke für mich, ohne die ich mein Ziel nicht erreicht hätte. Meine Familie konnte mir nicht die finanzielle Unterstützung geben, um mich nur meinen Büchern zu widmen. IGER unterstützt Menschen, die gleichzeitig arbeiten und studieren wollen. Zurzeit bin ich beim IGER als Beratungslehrerin tätig und für einen Studienkreis für junge Menschen auf der Grund- und Mittelschule zuständig. Ich freue mich, meine Leute zu begleiten, denn so wie ich damals brauchen auch sie jemanden, der ihnen hilft, voranzukommen und ihre Ziele zu erreichen.

Élcida Perez Aguilon,
ehemalige Schülerin und jetzt Tutorin bei IGER

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